Die deutschen Exporte sind auf Rekordkurs (Bild: Mirko Meier - Fotolia.com).

Die deutschen Exporte sind auf Rekordkurs (Bild: Mirko Meier - Fotolia.com).

Die deutschen Exporte befinden sich laut Branchenverband BGA weiterhin auf  Wachstumskurs und könnten 2011 erstmals ein Volumen von 1 Billion Euro übertreffen.Von Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Der deutsche Außenhandel boomt weiter”, erklärte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner. “Die Auslandsaufträge für den Rest des Jahres sind unter Dach und Fach und stimmen uns nachhaltig optimistisch”, sagte er am Dienstag in Berlin bei der Herbstpressekonferenz des Verbandes zur Entwicklung des deutschen Außenhandels.
Im kommenden Jahr bestünden “gute Chancen, zum ersten Mal in der Geschichte die Marke von 1 Billionion Euro beim Export zu erreichen, an der wir im Boomjahr 2008 noch knapp gescheitert sind”. Mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei bereits im Laufe des ersten Halbjahres 2011 zu rechnen, “viel früher als dies noch zu Jahresanfang erwartet werden konnte.” Neben einem statistischen Aufholeffekt seien hierfür auch die Auswirkungen der weltweiten Konjunkturprogramme verantwortlich, sagte Börner.
Im Gesamtjahr 2010 werden die deutschen Ausfuhren nach BGA-Einschätzung nominal um 16% auf 937 Mrd Euro steigen, was den stärksten Zuwachs seit zehn Jahren bedeute. Eine besondere Dynamik weisen dabei laut BGA die Exporte in die Länder außerhalb der Europäischen Union (EU) auf: Sie werden demnach um bis zu 25% zulegen, während die Ausfuhren in die EU um 13,5% steigen. Die Importe steigen nach der BGA-Prognose mit plus 17% noch dynamischer als die Exporte und erreichen 789 Mrd Euro. Der Außenhandelsüberschuss beträgt nach den Annahmen des Verbandes 148 Mrd Euro.
Für 2011 rechnet der Außenhandelsverband mit einem Zuwachs der Exporte um bis zu 7% auf 1,003 Billion Euro, die Einfuhren werden demnach um bis zu 8% auf 852 Mrd Euro zulegen. Deutschland werde damit auch seinen Weltmarktanteil von 9% auf 9,5% ausbauen können. Einen “erheblichen Risikofaktor” würde nach Ansicht des BGA allerdings ein Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession mit der Gefahr direkter und indirekter Auswirkungen auf die Nachfrage nach deutschen Produkten darstellen. Zudem könnte es in China zu einem Platzen der Immobilienblase kommen. Und auch die Schulden- und Vertrauenskrise einiger Euro-Länder sei keineswegs ausgestanden.
Hinzu komme schließlich die Wechselkursentwicklung, “die bereits heute beginnt, unsere Exporte in den Dollarraum erheblich zu erschweren, unsere Importrechnung jedoch entlastet”. Das stärkste Risiko für die deutschen Exporte liege in einer weiter zu befürchtenden Dollar-Abwertung. “Größter Risikofaktor ist für mich die Abwertungsproblematik im Dollar, ausgehend von den Verwerfungen, die ich weiterhin in der US-Wirtschaft befürchte”, sagte Börner auf eine entsprechende Frage.
Er sei “sehr skeptisch”, ob weitere Liquidität in den USA die dortige Wirtschaftsentwicklung wirklich befeuern werde. “Es wird zu einem weiteren Verfall des Dollars führen, davon bin ich eigentlich überzeugt”, erklärte der BGA-Präsident. Auch andere Länder würden dann ihre Währungen ebenfalls inflationieren müssen, protektionistische Maßnahmen würden aber “die Spirale immer noch weiter nach unten befeuern”, erwartete er. “Wir werden auch in diesen Sog hineingeraten”, befürchtete Börner.
Die positiven Einflüsse für den Welthandel überwiegen laut BGA allerdings noch. Tragender Faktor werde auch im kommenden Jahr der stabile Nachfragetrend aus den Schwellenländern sein, für dessen Nachlassen es keinerlei Anzeichen gebe.
“Die globalen Megatrends sind intakt”, erklärte Börner. Eine explodierende Bevölkerungsentwicklung in aufholenden Ländern mache massive Investitionen in vielen Bereichen unabdingbar. Die rohstoff- und ölreichen Länder wiederum verfolgten das strategische Ziel, sich mit hohen Investitionsprogrammen in Industrien mit hoher Wertschöpfung zu diversifizieren. Hinzu komme eine entstandene kaufkräftige Mittelschicht in Ländern wie Indien, China und Brasilien. “All dies wird die Nachfrage nach deutschen Produkten über Jahre hinaus tragen”, sagte der BGA-Präsident voraus.
Nachdrücklich forderte Börner einen weltweiten Verzicht auf protektionistische Maßnahmen. “Wir dürfen im Aufschwung nicht den Fehler begehen, den wir in der Krise erfolgreich vermieden haben: Den Griff zum süßen Gift des Protektionismus”, sagte er. Dieser würde “die Gefahr einer weltweiten Abwärtsspirale neu heraufbeschwören”. Den Beschluss des US-Repräsentantenhauses für Strafzölle gegenüber China lehne der BGA deshalb entschieden ab. “Auch ein Abwertungswettlauf der Währungen kann allenfalls nur kurzfristig Erfolg haben, mittel- und langfristig schadet er allen Wirtschaftsbeteiligten und macht alle ärmer”, warnte Börner.
Von China forderte der BGA-Präsident neben einer Abkehr von unfairen Handelspraktiken bei Rohstoffen “noch klarere Schritte hin zu einem realistischen Wechselkurs der chinesischen Währung” sowie die Akzeptanz internationaler Standards beim Schutz geistigen Eigentums, dem öffentlichen Auftragswesen und bei der Exportfinanzierung. “China ist uns als Handels- und Investitionspartner überall und jederzeit willkommen, wenn die Spielregeln eingehalten werden”, betonte Börner.