Bild: Mirko Meier - Fotolia.com

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Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im zweiten Quartal 2010 vor allem von Ausfuhren und Investitionen gestützt worden.

Von Hans Bentzien, Dow Jones

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Auch der private Konsum leistete erstmals seit dem Auslaufen der Pkw-Abwrackprämie vor drei Quartalen wieder einen Wachstumsbeitrag. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag in zweiter Veröffentlichung mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 2,2%. Damit wurde die Vorabschätzung wie erwartet bestätigt. Im ersten Quartal hatte das BIP um 0,5% zugelegt.

Sein Vorjahresniveau überstieg das reale BIP im zweiten Jahresviertel um 4,1%. Arbeitstäglich bereinigt betrug der Zuwachs 3,7%. Im ersten Quartal hatte sich im Jahresabstand ein BIP-Zuwachs von 2,1% (kalenderbereinigt: 2,0%) ergeben. Volkswirte äußerten sich optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft trotz einer zu erwartenden Abschwächung des Ausfuhrbooms auch in den kommenden Quartalen wachsen dürfte. “Die Tatsache, dass auch Investitionen und Konsum deutlich zu dieser Entwicklung beigetragen haben, deutet auf eine zunehmende Verbreiterung des Aufschwungs hin”, urteilte UniCredit-Volkswirt Alexander Koch.

Die Investitionen und der Außenhandel hatten im zweiten Quartal den größten Anteil am Aufschwung. Sowohl in Ausrüstungen (plus 4,4%) als auch in Bauten (plus 5,2%) wurde deutlich mehr investiert als im Vorquartal. Dabei muss nach Angaben von Destatis allerdings berücksichtigt werden, dass sich besonders die Ausrüstungsinvestitionen nach den zum Teil zweistelligen Rückgängen während der Wirtschaftskrise 2008/2009 auf einem immer noch relativ niedrigen Niveau bewegen. “Beim Anstieg der Bauinvestitionen handelt es sich zudem zum Teil um Nachholeffekte nach dem vergleichsweise strengen Winter”, konstatierten die Statistiker.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen verwies aber darauf, dass das BIP im Durchschnitt des ersten Halbjahres, der diesen Effekt ausklammere, pro Quartal um ebenfalls sehr starke 1,3% zugelegt habe. “Dabei bleibt die lebhafte Auslandsnachfrage ohne Frage einer der wichtigsten Impulsgeber”, meinte Solveen. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen (plus 8,2%) stiegen gegenüber Vorquartal stärker als die Importe (plus 7,0%), so dass der Exportüberschuss einen Wachstumsbeitrag von 0,8 Prozentpunkten lieferte.

Besonders positiv beurteilten die Beobachter die Entwicklung des privaten Konsums, des traditionellen Stiefkinds der deutschen Volkswirtschaft, der um 0,6% höher war als im ersten Quartal. Der private Verbrauch biete nach dem Plus im zweiten Quartal und den Aufwärtsrevisionen in den Vorquartalen ein nicht mehr ganz so schlechtes Bild, urteilte Commerzbank-Volkswirt Solveen. ING-Volkswirt Carsten Brzeski meinte: “Besonders der Anstieg des privaten Konsums ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Konjunkturerholung beginnt, selbsttragend zu werden.” Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 0,4%, wodurch ein positiver Wachstumsbeitrag von 0,1 (plus 0,4) Punkten entstand.

Die Bruttoanlageinvestitionen kletterten um 4,7%, nachdem sie im ersten Quartal um 1,2% gestiegen waren, und stützten die Quartalsveränderungsrate des BIP mit 0,8 (plus 0,2) Prozentpunkten. Davon entfielen 0,3 (plus 0,3) Prozentpunkte auf die Ausrüstungsinvestitionen und 0,5 (minus 0,1) Punkte auf die Bauinvestitionen. Die inländische Verwendung stieg insgesamt um 1,4% (Vorquartal: plus 1,7%), und stützte das BIP-Wachstum mit 1,3 (plus 1,6) Punkten. Die Vorratsveränderungen trugen nur noch mit 0,1 (plus 1,0) Punkten zum Wachstum bei.

UniCredit-Volkswirt Koch rechnet wegen der noch anstehenden Infrastrukturinvestitionen aus dem Konjunkturpaket II auch für die kommenden Monate nicht mit einer Abschwächung des Baubooms. Zudem führten die deutlich gestiegenen Kapazitätsauslastungsraten zu Investitionsbedarf. Allerdings werde das langsamere Wachstum der Weltwirtschaft auch in Deutschland unweigerlich zu schwächeren Exporten und Wachstumsraten führen, meinte Koch und verwies auf den am Montag berichteten Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. “Doch auch wenn das Ausmaß der zu erwartenden Abschwächung außergewöhnlich unsicher ist, deuten doch die zuletzt veröffentlichten Aktivitätsdaten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft kurzfristig weiter mit einem ordentlich Tempo wachsen wird”, urteilte er.

Und Commerzbank-Volkswirt Solveen meinte: “Zwar gehen auch wir davon aus, dass die Zuwachsraten in den kommenden Quartalen auch wegen eines nicht mehr ganz so florierenden Auslandsgeschäfts deutlich niedriger ausfallen werden als im Durchschnitt des ersten Halbjahres. Der Trend dürfte aber weiterhin eindeutig nach oben zeigen.