Bild: Fotolia.com - Mirko Meier

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Die deutschen Ausfuhren werden kommendes Jahr laut DIHK wieder in die Nähe ihres Rekordwertes kommen.

BERLIN (Dow Jones/ks)–Den Titel des “Exportweltmeisters” werde Deutschland damit aber nicht wider erringen können, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke am Montag in Berlin. Für das Jahr 2011 rechnet der DIHK mit einem Wachstum der deutschen Exporte um 8% auf Basis von Schätzungen der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) in 80 Ländern weltweit. “2011 rückt damit der Rekordwert aus dem Jahr 2008 wieder in greifbare Nähe”, betonte Nitschke bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des “AHK-Expertenindex” zum Außenhandel. Der Wert der Ausfuhren werde 2011 voraussichtlich 968 Mrd Euro erreichen gegenüber 985 Mrd Euro im Jahr 2008. Dies ergibt sich aus einer aktuellen Umfrage des DIHK.

“Das Tal im Export wird also innerhalb von nur drei Jahren durchschritten sein”, betonte Nitschke. Beim Zuwachs 2011 zeichne sich “deutlich eine Normalisierung der Ausfuhrdynamik ab”, erklärte die Kammerorganisation. In diesem Jahr dürften die Exporte um 11% wachsen, wofür die Aufholprozesse nach dem vorherigen Krisenjahr maßgeblich seien. Damit würden die deutschen Ausfuhren in diesem und im kommenden Jahr etwas stärker als der Welthandel wachsen, der nach Einschätzung der AHK-Experten um jeweils etwa 7% zulegen wird. “Auch wenn die deutschen Exporte 2010 und 2011 deutlich wachsen, wird Deutschland den Vorsprung auf den seit letztem Jahr amtierenden Exportweltmeister China nicht aufholen können”, unterstrich Nitschke aber. China werde im Gegenteil mit einem prognostizierten Exportwachstum von 18% im Jahr 2010 und 15% im Jahr 2011 seinen Vorsprung auf Deutschland im Welthandel weiter ausbauen.

Der deutsche Export profitiere von der positiven Entwicklung auf den Weltmärkten, vor allem bedingt durch den investitionsgestützten Aufstieg der Schwellenländer, die Impulse der Konjunkturpakete und den vergleichsweise schwächeren Eurokurs. “Außerhalb der Eurozone werden deutsche Produkte für die Kunden tendenziell günstiger, und innerhalb der Eurozone sinkt gegenüber Anbietern aus Drittländern der Preisdruck”, stellte Nitschke fest.

“Vom Eurokurs kommt etwas Rückenwind, wie es da weitergeht, steht in den Sternen”, betonte der DIHK-Außenhandelsexperte aber. Mit Blick auf die künftige Kursentwicklung gehe der DIHK “konservativ” vor. “Wir gehen für unsere Einschätzung von dem aktuellen Eurokurs aus”, erklärte Nitschke.

Der DIHK erwarte einen fortgesetzten Aufschwung, gleichwohl blieben Risiken hierfür bestehen. Ein Augenmerk gelte es auf die Entwicklung der US-Wirtschaft, das dynamische Wachstum in China mit einer potenziellen Überhitzung, die Sparmaßnahmen in der Eurozone und die Verknappung des Rohstoffangebots zu richten.

Die mit Abstand bedeutendsten Absatzmärkte für deutsche Unternehmen befinden sich laut der Erhebung nach wie vor in den Ländern der Europäischen Union, in die rund 63% aller Exporte gingen. Der wichtigste Abnehmer deutscher Ausfuhren bleibe Frankreich (9,7%) vor den USA (6,6%) und den Niederlanden (6,5%). Aber auch die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) gewännen an Bedeutung für deutsche Exporteure – mittlerweile flössen rund 10% der deutschen Waren in diese Länder.

Für die Einfuhren erwartet der DIHK in den Jahren 2010 und 2011 jeweils ein Wachstum von 9,5%. “Damit wird Deutschland im Jahr 2011 ein neues Rekordniveau von 808 Mrd Euro beim Importwert erreichen”, prognostizierte die Kammerorganisation. China werde im Jahr 2010 mit einem Volumen von 65 Mrd Euro erstmals den Spitzenplatz als Lieferant von Waren nach Deutschland einnehmen und die Niederlande auf den zweiten Platz (61,5 Mrd Euro) verdrängen, sagte Nitschke. Es folgen Frankreich (56 Mrd Euro) und Italien (41 Mrd Euro). Im Jahr 2009 waren die Ausfuhren um 17,9% und die Einfuhren um 16,4% gesunken.

Die Schätzungen der Kammerexperten zu den Exporten und Importen von Industriegütern ergeben für das Jahr 2010 einen Außenhandelsüberschuss von 159 Mrd Euro. Für 2011 prognostizieren die Kammern einen Überschuss in der Handelsbilanz von insgesamt rund 160 Mrd Euro und damit über 35 Mrd Euro weniger als im Rekordjahr 2007.

Eine Bestätigung für die Erwartungen des DIHK sah Nitschke in den am Montag veröffentlichten aktuellen Exportzahlen für Juni, die “außerordentlich positiv” ausgefallen seien. “Das, was der Juni-Wert zum Ausdruck bringt, liegt sehr auf der Linie dessen, was wir für 2010 und 2011 berichten, wir fühlen uns sehr gestärkt”, sagte Nitschke. Die Auslandshandelskammern hätten die positive Tendenz mit ihrer Umfrage bereits signalisiert.

Die deutschen Ausfuhren sind im Juni laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresmonat kräftig gestiegen, der Außenhandel erzielte nach vorläufigen Ergebnissen einen Überschuss von 14,1 Mrd Euro. Deutschland exportierte im Juni Waren im Wert von 86,5 Mrd Euro und importierte Waren im Wert von 72,4 Mrd Euro. Die deutschen Ausfuhren waren damit um 28,5% und die Einfuhren um 31,7% höher als im Vorjahr.

Die vom DIHK seit 1982 regelmäßig durchgeführte Umfrage zu den deutschen Exporten und Importen erfasst die Rückmeldungen aller deutschen Auslandshandelskammern in 80 Ländern zu den erwarteten Export- und Importzahlen. Die Kammern stützen sich bei ihren Antworten nach Angaben des DIHK auf kontinuierliche Marktbeobachtung vor Ort, auf ständige Kontakte mit deutschen und einheimischen Unternehmen sowie auf eigene Umfragen unter Kammermitgliedern. Die aktuelle Umfrage fand im Juni und Juli 2010 statt.