Forschung ist großes Plus 1

 

von Susanne Bader

Bitte bewerten Sie die derzeitigen Konjunkturaussichten.

Die Stimmung in unserer Branche ist zum Jahreswechsel nach wie vor gut. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen ebenso positiv eingeschätzt wie in den starken Jahren 2006 und 2007. Das Risiko für einen konjunkturellen Rückschlag hat zwar in jüngster Zeit zugenommen. Aber wir gehen dennoch davon aus, dass das Chemiegeschäft im kommenden Jahr auf niedrigem Niveau wachsen wird: Wir rechnen mit einem Anstieg der Produktion um ein Prozent. Insgesamt würde ich die Note zwei bis drei vergeben.

Wie kann die Branche einer zunehmend unberechenbarer werdenden wirtschaftlichen Situation begegnen?

Aus der engen Zusammenarbeit der deutschen Chemieunternehmen mit ihren Kunden entstehen Produkte und Systemleistungen, die auf den internationalen Märkten wegen ihrer Qualität stark gefragt sind. Unsere innovativen Werkstoffe und spezifischen Problemlösungen geben entscheidende Impulse für neue Produktlinien und Verfahren in anderen Kernbranchen. Diese Rolle in den Wertschöpfungsketten ist eine große Stärke der deutschen Chemie. Weitere wichtige Erfolgsfaktoren sind unsere hohe Forschungsintensität und ein breit gefächerter Mittelstand.

Welche Themen stehen für die Branche 2012 ganz oben auf der Agenda?

Aus meiner Sicht sind drei Themen von besonderer Bedeutung: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industrielandes Deutschland mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen zu stärken. Zweitens: Eine sichere Versorgung mit Grundlaststrom und bezahlbare Strompreise für die energieintensive Chemie zu gewährleisten. Drittens: Die Innovationsfähigkeit der Unternehmen durch eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung zu unterstützen.

Wodurch gewinnen die Chemieunternehmen in Deutschland den nötigen Innovationsvorsprung, um auch in Zukunft als Branche weltweit erfolgreich bleiben zu können?

Unsere Unternehmen forschen entlang der großen Megatrends, die zentrale Bedeutung für eine wachsende Weltbevölkerung haben: Verbesserung der Nahrungsgrundlagen, Erschließung regenerativer Energiequellen, Entwicklung neuer Formen der Mobilität und Erhalt der Gesundheit einer alternden Bevölkerung. Rund 10 Prozent unserer 423 000 Beschäftigten sind in der Forschung tätig. Sie tragen dazu bei, Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung zu erarbeiten.