BELIN (ks). „Der Abschluss in der Stahl-Industrie ist für die Metall- und Elektro-Industrie in keiner Weise ein Modell oder gar ein Vorbild“, erklärte er. Schon die Strukturen der beiden Branchen seien völlig unterschiedlich: M+E habe nicht nur 40mal so viele Beschäftigte, sondern sei in ihren Betriebsstrukturen deutlich heterogener. So liege beispielsweise der Personalkostenanteil in der Stahlindustrie bei 10 Prozent, in der Metall- und Elektro-Industrie bei durchschnittlich 30 Prozent. Aber auch die Inhalte des Abschlusses, speziell die Regelungen zur Zeitarbeit, seien grundsätzlich nicht übertragbar:

“Die Regelung von Arbeitsbedingungen und Entgelten liegt allein in der Verantwortung der zuständigen Tarif- oder Betriebsparteien. Dies sind hier die Zeitarbeitgeberverbände. Nach unserer Meinung wäre es völlig unakzeptabel, dass Kundenunternehmen, mit denen für Zeitarbeitnehmer überhaupt kein Beschäftigungsverhältnis besteht, für die Entlohnung durch deren Arbeitgeber in Haftung genommen werden. Eine solche Regelungskrücke ist für die M+E-Industrie inakzeptabel und kommt vom Grundsatz her nicht in Frage.”

Die Zeitarbeitgeber hätten eine eigenständige Verantwortung und müssten die grundsätzliche Entscheidung treffen, nach welchen Maßstäben sie ihre Arbeitnehmer entlohnen wollen. Die Umstellung der Bezahlung auf das Niveau des jeweiligen Einsatzortes sei ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel und könne neue Probleme schaffen. Wenn eine solche grundsätzliche Umgestaltung gewollt sei, zeige der im September von den Gewerkschaften mit der START Zeitarbeit GmbH in NRW abgeschlossene Tarifvertrag eine Alternative: Er differenziert nach der Qualifikation der Zeitarbeitnehmer, indem höher Qualifizierte in Stufen nach einer entsprechenden Beschäftigungs- und Tätigkeitsdauer an die Tarifeinkommen herangeführt werden. Bei gering qualifizierten Arbeitnehmern gilt dies nicht: Hier muss ein Unterschied zu den Stammarbeitnehmern bestehen bleiben, da sonst allen Umfragen nach diese Arbeitsplätze komplett entfallen würden.

Dazu gelte generell: “Zeitarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitsmarkt- und Personalpolitik. Es gibt kein wirksameres Instrument, um Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt zwischen schlecht und gut ausgelasteten Sparten und Unternehmen schneller auszugleichen als Zeitarbeit. Dies sichert das gesamte Beschäftigungsniveau.” Vor allem aber habe Zeitarbeit vielen An- und Ungelernten einen Arbeitsplatz verschafft, die sonst kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.