PwC-Studie: Stahlnachfrage wächst bis 2025 weltweit um 3,3 Prozent pro Jahr / Europas

PwC-Studie: Stahlnachfrage wächst bis 2025 weltweit um 3,3 Prozent pro Jahr / Europas Stahlindustrie weiterhin unter Druck / China baut Dominanz aus - Bild: ArcelorMittal

Die weltweite Stahlnachfrage wird bis 2025 durchschnittlich um 3,3 Prozent pro Jahr steigen, wie die jüngste Prognose für den Stahlmarkt der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt.

Damit legt die Stahlerzeugung rund um den Globus bis zum Jahr 2025 auf insgesamt 2,35 Milliarden Tonnen zu. Aufgrund der angespannten politischen Situation und der verhängten Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland hat PwC die Prognose für die Stahlnachfrage in den nächsten zehn Jahren gegenüber 2014 leicht um zwei Prozent nach unten korrigiert.

In den kommenden Jahren wird China das Geschehen auf dem Stahlmarkt weiter klar bestimmen. Mit knapp 1,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2025 wird die Stahlnachfrage Chinas – gegenüber der Vorjahresprognose – sogar noch zulegen. Damit wird die chinesische Industrie in gut zehn Jahren annähernd so viel Stahl verwenden wie der Rest der Welt zusammen. „Insgesamt wird der asiatische Raum 2025 zwei Drittel des weltweiten Stahls verbrauchen. Allen voran wird China seine Dominanz festigen: der Höhepunkt seines Stahlbedarfs wird erst um das Jahr 2030 erreicht sein“, sagt Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC.

In Europa hingegen stagniert die Stahlnachfrage: Für die 28 EU-Staaten prognostizieren die Stahlexperten für 2025 einen Bedarf in Höhe von 162 Millionen Tonnen – das sind gut zwei Prozent weniger als noch in der Vorjahresprognose und entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von unter einem Prozent pro Jahr. Deutschland bleibt der Wachstumsmotor der EU: „Der deutsche Stahlmarkt wird vergleichsweise stabil bleiben und profitiert dabei von der positiven Entwicklung wichtiger Kernbranchen wie der Automobilindustrie und der leichten Entspannung auf dem Rohstoffmarkt“, merkt Martin Theben an.

Digitalisierung rückt in den Fokus

Aufgrund der insgesamt abgeschwächten Nachfrage und steigender osteuropäischer und asiatischer Importe bleibt der Stahlmarkt in Europa insgesamt jedoch auch in absehbarer Zeit angespannt. Strukturelle Überkapazitäten sowie die Restrukturierung der Stahlindustrie werden weiterhin das Bild in der EU prägen. Während vielerorts der Ausbau von Erzeugungskapazitäten im Gange ist, befindet sich Europa bei der Stahlherstellung und der Verarbeitung in der Konsolidierung. Die Unternehmen wollen die Material-, Ausbringungs- und Anlageneffizienz steigern sowie die Kosten für Rohstoffe und Logistik reduzieren. Dadurch gerät auch die Stahldistribution, die ungefähr für zwei Drittel der Versorgung in Europa verantwortlich ist, gleich mehrfach unter Druck.

Um das eigene Geschäftsmodell unter diesen schwierigen Bedingungen zu optimieren, empfehlen die PwC-Experten den europäischen Stahlerzeugern, die Veränderungen am Markt als Chance zu nutzen und ihr Augenmerk auf Kernkompetenzen zu richten: Materialeffizienz und Anlageneffektivität, Lieferservice und Flexibilität, Produktqualität und Innovation, Commodity Management und Digitalisierung.

Besonders den Trend zur Digitalisierung dürfen die europäischen Stahlanbieter nicht verpassen. Die systematische Nutzung großer Datenmengen zur Geschäfts- und Produktionssteuerung bietet vielfältige Möglichkeiten. „Die strategische Verankerung der Digitalisierung geht weit über das Betreiben eines Web-Shops hinaus und umfasst eine Vielzahl von Aspekten in den Bereichen Sortiment, Preisbildung und Lieferservice bis hin zu After-Sales-Services“, stellt Theben fest.

Karoline Kopp