WIESBADEN/FRANKFURT (Dow Jones/rm). Wie in den Vormonaten wurde die Teuerungsrate maßgeblich durch die starken Preiserhöhungen bei leichtem Heizöl und Kraftstoffen sowie bei Obst und Gemüse bestimmt. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Freitag stieg der Preisindex auf Basis von Daten aus sechs Bundesländern um 0,1% gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten hingegen einen Rückgang um 0,1% erwartet. Die Jahresteuerung stieg im November auf 1,5%, während Ökonomen nur eine Inflationsrate von 1,3% vorausgesagt hatten.

Im Oktober waren die Verbraucherpreise auf Monatsbasis um 0,1% gestiegen, die Jahresteuerung hatte sich auf 1,3% gestellt. Die endgültigen Ergebnisse für November will das Bundesamt am 9. Dezember vorlegen.

Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg im November gegenüber dem Vormonat um 0,1%, auf Jahressicht erhöhte sich der Index um 1,6%. Im Oktober hatte die HVPI-Jahresrate bei 1,3% gelegen.

Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf warnte vor einem stärkeren Lohnauftrieb in den kommenden Jahren: “Angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und der hohen Gewinne der Unternehmen mehren sich die Rufe nach höheren Löhnen.” Somit könnten die Inflationsraten in Deutschland auf längere Sicht deutlich steigen. “Diese höheren Raten könnten zudem länger anhalten als in vergangenen Aufschwüngen, da die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund der Probleme in der Euroraum-Peripherie die Zinsen länger niedrig halten wird.”

Nach Ansicht von ING-Bank-Ökonom Carsten Brzeski ist zumindest in Deutschland die Gefahr einer Deflation “klar gebannt” und die Inflation dürfte im Laufe des nächsten Jahres allmählich zulegen. Ein wirkliches Inflationsrisiko sehe aber anders aus. Dennoch seien die jüngsten Konjunkturdaten, insbesondere aus den Kernländern des Euroraums, “Wasser auf den Mühlen der EZB-Falken”, die auf die nächsten Schritte beim Ausstieg aus den Notfallprogrammen drängten.

Nach Einschätzung von UniCredit-Experte Alexander Koch hat sich die “Inflationsdynamik” wie erwartet umgekehrt. Die Kombination einer kräftig wachsenden Wirtschaft mit anhaltend niedrigen Zinsen im Euroraum erzeuge die Gefahr eines ungewollten Inflationsschubs in Deutschland. Allerdings sollte der Preisauftrieb nur allmählich steigen, im nächsten Jahr dürfte die Jahresteuerung klar unter der Marke von 2% bleiben. Insgesamt betrachtet sei daher der “Inflationsdruck vorerst unter Kontrolle”.