Thomas Straubhaar sieht die Gefahr eines Domino-Effekts für die Weltwirtschaft durch eine Krise in

Thomas Straubhaar sieht die Gefahr eines Domino-Effekts für die Weltwirtschaft durch eine Krise in Japan (Bild: HWWI).

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Erst die Krise in Arabien, dann der Ölpreis, jetzt Japan: Jede dieser Krisen einzeln wäre zu bewältigen, aber in dieser Konzentration könnte eine explosive Mischung entstehen, die den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet”, sagte Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), der “Welt am Sonntag”. “Mir macht große Sorgen, dass die kritische Marke erreicht sein könnte”, so Straubhaar weiter. Er fürchtet gar einen Dominoeffekt: “Kommt es in Japan zu einem Wirtschaftseinbruch, ist die Ansteckungsgefahr hoch. Die Krise könnte mittelfristig auf die Energiemärkte, den Bankensektor und dann auf die Staatsschuldenkrise in Europa übergreifen”, warnte der Ökonom.

Andere Experten glauben, dass sich die Weltwirtschaft durch die Krise in Japan hingegen nicht von ihrem Aufwärtstrend abbringen lässt: “Die Risiken für den Aufschwung haben sicherlich zugenommen. Unser Basis-Szenario für 2011 ist aber weiterhin ein Wachstum der Weltwirtschaft von rund fünf Prozent”, sagt Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs. “Anders als bei der Lehman-Pleite 2008 ist kein globales Netzwerk betroffen, die Folgen sind bislang nur punktuell spürbar”, sagt Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank. Im Falle einer atomaren Katastrophe könne sich dies aber ändern. “Eine Atomkatastrophe könnte zu einem Vertrauensschock auf der ganzen Welt führen, der sich über die Finanzmärkte in die reale Wirtschaft übertragen könnte”, sagt Mayer.

Aber auch ohne eine atomare Katastrophe wird das Drama um den Reaktor in Fukushima die Weltwirtschaft nachhaltig verändern, glauben Ökonomen. Die Nachfrage nach Energie jenseits der Atomenergie werde steigen, während beim Angebot Gefahren wie durch die Krise in Arabien lauern. “Die Preisschwankungen werden sich verstärken, die spekulativen Attacken zunehmen. Das wird zu Blasen führen, diese Blasen werden platzen und dämpfend auf die Konjunktur wirken”, sagt Straubhaar. Die globale Wirtschaft wird noch abhängiger von ihrem wichtigsten Schmierstoff sein, als sie es jetzt schon ist. “Der Ölpreis wird dauerhaft steigen. Stagflationäre Tendenzen werden die Folge sein”, sagt Mayer. Das bedeutet: Das Wirtschaftswachstum wird dauerhaft gedämpft – bei gleichzeitig höherer Geldentwertung.