BERLIN (Dow Jones/ks)–Wegen des ausgeprägten Aufholprozesses im laufenden Jahr hat das HWWI seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland nochmals erhöht und rechnet nun für 2010 mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,7%. In seiner September-Prognose hatte das HWWI einen Zuwachs um 3,4% prognostiziert. Wie aus der am Dienstag veröffentlichten HWWI-Konjunkturprognose weiter hervorgeht, erwartet das Institut für 2011 unverändert ein Wachstum von 2,5%.

Die größten Risiken für die weitere Wirtschaftsentwicklung drohen aus Sicht der HWWI-Experten von außen. Die Finanzkrise sei bei weitem noch nicht ausgestanden. Banken- und Staatsschuldenkrisen in anderen Ländern dauerten an. Zudem hätten in einigen Ländern die Verbraucherpreise inzwischen spürbar angezogen. Für all diese Probleme seien noch keine nachhaltigen Lösungsansätze gefunden worden. “Eine Verschärfung dieser Krisen ist somit nicht auszuschließen”, schreiben die HWWI-Konjunkturexperten.

Die Prognose fußt aber auf der Annahme, dass diese externen Störungen keinen massiven negativen Einfluss auf die deutsche Entwicklung haben. Auch dann sei jedoch eine Abschwächung der Aufholdynamik im kommenden Jahr als “ein Prozess der Normalisierung” nach dem bisherigen rasanten Wiederanstieg nach der Krise anzusehen. Ihr Vorkrisenniveau dürfte die deutsche Wirtschaft dem HWWI zufolge in der zweiten Jahreshälfte 2011 wieder erreichen.

Die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in Deutschland laut HWWI sowohl auf Seiten der privaten Konsumenten wie auf Seiten der Unternehmen so weit gefestigt, dass auf eine selbsttragende Erholung gesetzt werden könne, sofern keine externen Störungen aufträten. Das HWWI rechnet mit einem Anstieg der privaten Konsumausgaben um 0,5% im laufenden und um 1,5% im kommenden Jahr. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften 2010 um 9,9% und 2011 um 6,0% steigen.

Beim Export wird es nach HWWI-Einschätzung im kommenden Jahr nicht die hohen Wachstumsraten des laufenden Jahres geben. Nach einem Anstieg der deutschen Ausfuhren um 15,0% dürften sie 2011 um 9,4% zulegen. In für die deutsche Exportwirtschaft wichtigen Ländern seien konjunkturelle Rückschläge nicht auszuschließen.

Das gelte für die USA mit ihren weiterhin großen Probleme am Arbeits- und am Wohnungsmarkt sowie ihrem umfangreichen staatlichen wie privaten Konsolidierungsbedarf. Aber auch in China und anderen Schwellenländern gebe es Tendenzen, die bei verschärfter Blasen- bzw. Inflationsentwicklung die dortigen Regierungen zu restriktiven Maßnahmen nötigen könnten. Sollte sich zudem die Schuldenkrise in Europa verschärfen, dürften verstärkte Sparmaßnahmen die Folge sein. Auch das Risiko eines Währungswettlaufs habe sich wieder erhöht.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt dürfte sich laut HWWI-Prognose weiter verbessern. Die HWWI-Experten rechnen mit einer Arbeitslosenzahl unter der 3-Millionen im Jahresverlauf 2011. Im Jahresdurchschnitt 2010 sehen sie die Zahl der Arbeitslosen bei 3,24 Millionen Personen und im Jahresschnitt 2011 bei 3,05 Millionen Personen.

Der Preisauftrieb dürfte sich im Laufe des kommenden Jahres nach und nach verstärken und der 2%-Marke annähern. Die Verbraucherpreise werden sich laut HWWI-Prognose im laufenden Jahr um 1,1% und 2011 um 1,6% erhöhen.

Die öffentlichen Finanzen dürften im kommenden Jahr ein deutlich geringeres Defizit aufweisen. Inzwischen erwartet das HWWI im laufenden Jahr ein Defizit von 3,2% und im kommenden Jahr von 2,1%.