Von Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Was man schon sieht, ist eine Abschwächung des Tempos”, sagte Carstensen am Mittwoch zu Dow Jones Newswires. Carstensen unterstrich, die Wirtschaftsdynamik in Deutschland werde sich nicht wie bisher fortsetzen. “Wir können uns nicht darauf einstellen, dass die Dynamik in dem Maße weitergeht”, sagte er mit Blick auf das im zweiten Quartal verzeichnete Wachstum von 2,2%.

Nach einem “Riesensprung” des Index im vergangenen Monat sei im August nur noch “ein kleines Plus” zu verzeichnen. “Dieses Plus speist sich daraus, dass es den Unternehmen noch einmal besser geht, also die Lageeinschätzung gestiegen ist – das finde ich nicht überraschend”, betonte er.

Der ifo-Index war im August auf 106,7 Punkte gestiegen, nachdem er im Vormonat bei 106,2 gelegen hatte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten hingegen eine Abnahme auf 106,0 erwartet. Der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator liegt damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2007.

Allerdings sei die Erwartungskomponente des ifo-Index leicht nach unten gegangen, “was darauf hindeutet, dass die Unternehmen für die kommenden sechs Monate nicht mehr ganz so viel Dynamik erwarten”. “Das lässt sich auch daran ablesen, dass die Unternehmen nicht mehr ganz so optimistische Exporterwartungen haben wie bisher”, sagte der ifo-Chefvolkswirt.

In der Folge werde man schwächere Wachstumsraten des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) sehen. “Aber nichts deutet derzeit darauf hin, dass wir in die Rezession zurückfallen”, beruhigte der ifo-Chefökonom und betonte, im Gesamtjahr 2010 seien voraussichtlich mindestens 3% Wachstum zu erwarten. “Wir sagen aktuell, dass (beim BIP) eine 3 vor dem Komma schon sehr wahrscheinlich ist, ” hob er hervor.

Allerdings seien auch konjunkturelle Rückschläge nicht ausgeschlossen. “Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Winterhalbjahr zumindest ein Quartal mit sehr schwachen Wachstumsraten oder vielleicht sogar einer Stagnation gibt”, erklärte Carstensen. Dass nicht alle Quartal nacheinander deutlich positiv seien, sei oft in derartigen Phasen beobachtet worden.

“Es kann natürlich noch einmal eine Belastungsprobe geben, wenn es beispielsweise in den USA noch einmal relativ schlecht läuft”, warnte der Ökonom. Andererseits sehe es in Asien “momentan nicht so aus, als würden die Risiken zum Tragen kommen, und das ist eigentlich für die deutsche Exportwirtschaft sehr positiv”.

Zudem sei es “ein gutes Zeichen, dass der Aufschwung im zweiten Quartal nicht nur von der Exportseite kam”, sagte Carstensen unter Verweis auf die jüngsten Detailveröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes zu den Quartalsdaten. Es seien Investitionen getätigt worden, entgegen der bisherigen Erwartung des ifo-Instituts auch bei den gewerblichen Bauinvestitionen.

“An der Stelle sind die Unternehmen schon wieder dabei, Geld auszugeben”, konstatierte der ifo-Chefökonom. Auch der private Konsum entwickele sich überraschend gut. “Die Haushalte scheinen auch im Kopf die Krise verdaut zu haben, nicht mehr mit Entlassungen zu rechnen, und dann auch beim Konsum die Bremse loszulassen”, meinte Carstensen.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hatte am Dienstag in zweiter Veröffentlichung den preis- und saisonbereinigten Anstieg des deutschen BIP um 2,2% im zweiten Quartal bestätigt und erklärt, das Wirtschaftswachstum sei in dem Vierteljahr vor allem von den Ausfuhren und den Investitionen gestützt worden. Auch der private Konsum leistete laut den Angaben erstmals seit dem Auslaufen der Pkw-Abwrackprämie vor drei Quartalen wieder einen Wachstumsbeitrag. Im ersten Quartal hatte das BIP noch um lediglich 0,5% zugelegt.