BERLIN (Dow Jones/ks)–”Im kommenden Jahr bleiben die Konjunkturampeln in Deutschland auf Grün gestellt”, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten ifo-Konjunkturprognose.

Sowohl für das laufende wie das kommende Jahr sieht das Institut eine gegenüber seiner Juni-Prognose deutlich bessere Entwicklung. Für 2010 erwartet das ifo Institut nun einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7% nach 2,1% in der Juni-Prognose. Im Jahresendquartal 2010 dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion leicht beschleunigt um 0,8% zugenommen haben.

Dabei sei der Schub bei der Binnennachfrage vor allem durch die zusätzlichen Investitionen der bei weitem größte Wachstumstreiber gewesen. “Nach Jahren der binnenwirtschaftlichen Nachfrageschwäche stand das Jahr 2010 daher im Zeichen einer neuen Binnenkonjunktur”, heißt es.

Für das kommende Jahr gehen die Münchener Forscher davon aus, dass der Außenhandel einen noch kleineren Wachstumdsbeitrag als im laufenden Jahr liefern wird. Für 2011 rechnen die ifo-Experten mit einem BIP-Anstieg von 2,4% nach 1,5% in der Juni-Prognose. Der Großteil dieser Zunahme dürfte dabei auf einen Anstieg der Binnennachfrage zurückzuführen sein, heißt es.

Die Investitionen werden im nächsten Jahr voraussichtlich weiter merklich steigen, maßgeblich befördert durch die historisch niedrigen Zinsen, die insbesondere beim privaten Wohnungsbau als Turbo wirken dürften. Die Grundannahme dabei sei stets, dass der neue EU-Krisenmechanismus restriktiv gehandhabt werde.

Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte der private Konsum trotz der staatlichen Sparmaßnahmen weiter steigen. Die Bruttolöhne und -gehälter werden sich 2011 voraussichtlich mit 3,3% brutto erhöhen, was netto einem Anstieg um 2,8% entspricht. Der reale private Konsum dürfte im Jahresdurchschnitt 2011 um 1,4% zulegen und damit einen merklichen Beitrag zum BIP-Anstieg leisten. Im Jahr 2010 dürfte der Privatkonsum um 0,5% steigen.

Die Exporte sollten auch 2011 weiter zulegen. Das ifo-Institut erwartet einen Anstieg der Ausfuhren um 14,8% im laufenden und um 7,4% im kommenden Jahr.

Getragen von der guten konjunkturellen Entwicklung, den positiven Geschäftsaussichten und der günstigen Kostensituation der Unternehmen wird sich aus ifo-Sicht der Beschäftigungsaufbau im kommenden Jahr voraussichtlich fortsetzen. Dabei dürften auch die Stammbelegschaften ausgeweitet und wieder vermehrt sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen geschaffen werden.

Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt 2011 um 300.000 Personen auf 2,942 Millionen Personen sinken. Im Jahresschnitt 2010 sieht das ifo die Arbeitslosenzahl bei 3,242 Millionen Personen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird demnach von 40,475 Millionen im Jahresschnitt 2010 auf 40,801 Millionen Personen im kommenden Jahr steigen.

Im Gefolge des Aufschwungs dürften die Verbraucherpreise etwas anziehen. Mit voraussichtlich 1,1% im Jahr 2010 und 1,7% im Jahr 2011 werde die Inflationsrate aber unter dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben.

Das staatliche Budgetdefizit, das im laufenden Jahr in Relation zum nominalen BIP 3,5% beträgt, wird nach ifo-Schätzung im nächsten Jahr aufgrund der anhaltend guten Konjunktur, der Konsolidierungsmaßnahmen im Rahmen des Zukunftspakets und der Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung auf 2,3% sinken.

Im Prognosezeitraum dürfte die EZB den Leitzins zunächst bei 1,0% belassen. Da sich die konjunkturelle Lage im Euroraum im Verlauf des kommenden Jahres nach ifo-Einschätzung bessert, dürfte die EZB den Leitzins gegen Jahresende 2011 um 25 Basispunkte erhöhen. “Daher werden voraussichtlich auch die Geld- und Kapitalmarktzinsen weiter steigen”, heißt es in der ifo-Prognose.