Trotz steigender Risiken sieht Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger die deutsche Wirtschaft auf

Trotz steigender Risiken sieht Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger die deutsche Wirtschaft auf einem sehr guten Weg (Bild: Ifo).

von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Ich denke, mit den neuen Daten, die man jetzt hat, kann man durchaus eine Drei vor das Komma schreiben”, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Dienstag. Im April hatte das Ifo-Institut gemeinsam mit anderen führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in der Frühjahrsprognose einen Anstieg des BIP von 2,8% für 2011 in Deutschland vorausgesagt.

Der ifo-Index im Mai zeige, dass die Konjunktur in Deutschland sehr robust sei und weiter im Aufschwung sei. “Die Risiken nehmen international zu, aber die deutsche Wirtschaft zeigt sich doch sehr stark”, sagte Abberger.

Nach wie vor sehe er einen “Dreierkranz” aus Risiken. In den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und in Lateinamerika sammele sich Überhitzungspotenzial an. Hier könnte es zu einer Korrektur kommen, sagte der Ifo-Experte. Ein weiteres Risiko sei der Ölpreis, “weil er nicht nur nachfragegetrieben ist, sondern auch Angebotsproblematik widerspiegelt”, sagte Abberger. Zudem berge natürlich die Schuldenkrise in Europa nach wie vor auch für Deutschland ein Risiko.

Momentan schlage die EU-Schuldenproblematik noch nicht auf die deutsche Realwirtschaft durch. Das sei auch daran zu erkennen, dass die Erwartungen der Exportunternehmen sehr gut seien. “Aber natürlich ist das ein Risiko, das sich irgendwann auch auf die Realwirtschaft auswirken kann”, sagte der Ifo-Experte.

Unabhängig davon, welcher Weg zur Lösung der griechischen Schuldensituation gewählt werde, werde dies Deutschland belasten. “Mit oder ohne Umschuldung, werden Belastungen auf Deutschland zukommen”, sagte Abberger. Das Ifo-Institut sei davon überzeugt, dass es ohne Umschuldung nicht gehen werde.

Die Inflation wird nach Einschätzung des Ifo-Experten noch weiter steigen. “Ich denke, dass wir in den nächsten Monaten ein weiteres Anziehen der Inflation sehen werden, bei den Energiepreisen, die wir momentan haben, auch auf über 3%”, sagte Abberger. Aus seiner Sicht stelle diese höhere Inflation nicht das große Risiko für die deutsche Wirtschaft dar. Schon früher habe es Phasen einer Inflation in diesem Bereich gegeben und die deutsche Wirtschaft habe das gut verkraftet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Auffassung von Abberger weitere Zinsschritte vornehmen. “Sie wird behutsam vorgehen, aber ich rechne schon noch vor dem Sommer mit einem weiteren Zinsschritt und danach werden auch noch weitere kommen”, sagte der Ifo-Konjunkturexperte. Für Deutschland seien die Zinsen relativ niedrig und auch diese Zinsanhebungen seien für die deutsche Wirtschaft “verkraftbar”.

Das Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands war im Mai entgegen den Erwartungen nicht gesunken. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrte auf seinem Vormonatsniveau von 114,2 Punkten, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte einen Rückgang auf 113,7 prognostiziert hatten. Der Index beruht auf einer neuen Gewichtung und einer aktualisierten Wirtschaftszweigklassifikation. Zudem wurde das Basisjahr von 2000 auf 2005 geändert. Der Index zur Lagebeurteilung stieg auf 121,4 (Vormonat: 121,0) Punkte, während die Geschäftserwartungen auf 107,4 (107,7) nachgaben.