MÜNCHEN/FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mitteilte, kletterte der Geschäftsklimaindex auf 109,9 Punkte, nachdem der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator im Vormonat bei 109,3 Zählern gelegen hatte. Volkswirte sehen darin ein Signal für ein kräftiges Wirtschaftswachstum im vierten Quartal und im kommenden Jahr.

Bereits im November hatte der Stimmungsindikator auf dem höchsten Stand der 1991 begonnenen gesamtdeutschen Datenreihe notiert. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten für Dezember nur einen minimalen Anstieg auf 109,4 Punkte prognostiziert.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der rund 7.000 befragten Unternehmen stieg im Dezember auf 112,9 Punkte, im Vormonat hatte er bei 112,3 Zählern notiert. Ökonomen hatten einen Stand von 112,6 erwartet. Der Index für die Geschäftserwartungen wurde auf 106,9 Zähler nach 106,3 Punkten im Vormonat beziffert, während die befragten Volkswirte einen Rückgang auf 106,2 Zähler erwartet hatten.

Nach dem Anstieg der Exporte seien für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft vor allem die Investitionen verantwortlich gewesen, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn mit Blick auf das zurückliegende Jahr. Perspektivisch zeichne sich nun auch eine Verbesserung beim Konsum ab. Im Dezember sei die Verbesserung des Geschäftsklimas in der gewerblichen Wirtschaft vom Einzelhandel und vom Großhandel getragen worden.

Die Einzelhändler schätzten ihre aktuelle Geschäftslage als sehr gut ein, führte Sinn weiter aus. Darüber hinaus bewerteten sie ihre Perspektiven für die nächsten sechs Monate nochmals optimistischer als im November. Die Großhändler stuften ihre Geschäftslage weiterhin sehr positiv ein, aber nicht mehr als ganz so glänzend wie im Vormonat. Sie rechneten mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte in der nahen Zukunft.

Im verarbeitenden Gewerbe sei das Geschäftsklima zwar etwas gesunken, doch resultiere dies ausschließlich aus einer leichten Eintrübung der Erwartungen. Die Geschäftslage sei genauso gut wie im November. Vom Export würden wieder etwas stärkere Impulse erwartet. Die Firmen planten, zusätzliches Personal einzustellen.

Diesmal sei vor allem der Handel für das bessere Geschäftsklima verantwortlich, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger im Interview mit Dow Jones Newswires. Der Konsum sei noch zu den guten Investitionen und dem guten Export hinzugekommen. “Von daher sind wir in einem breiten Aufschwung, der auch sehr stark aus dem Inland genährt wird”, sagte der ifo-Experte.

“Die Stimmung unter deutschen Einzelhändlern ist in diesem Monat geradezu gen Himmel gestiegen”, kommentierte UniCredit-Ökonom Andreas Rees. “Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass der Einzelhandel optimistisch ist. Die Einzelhändler sind regelrecht euphorisch. Unserer Meinung nach wird der jüngste Anstieg von neu geschaffenen Arbeitsplätzen und einer entsprechend steigenden Kaufkragt getragen. Außerdem machen in Deutschland Hoffnungen auf höherer Löhne die Runde.”

Für das Bankhaus Lampe lassen die positiven Daten auf ein starkes Wirtschaftswachstum zum Jahresende schließen. “Da sich die gute Stimmung derzeit weiter auf die realen Daten überträgt, stehen die Chancen für ein im Jahresschlussquartal ähnlich stark wachsendes BIP wie im dritten Quartal 2010 gut”, meinte Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe.

Für Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verbessert sich auch der Ausblick für das kommende Jahr: “Im vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft kräftiger gewachsen sein als wir unterstellt hatten. Damit verbessert sich die Ausgangsbasis für 2011, wir heben unsere Wachstumsprognose für das kommende Jahr von 2,6% auf 3,0% an.”

Beim ifo-Index scheine das Ende der Fahnenstange hingegen bald erreicht. “Auf seinem aktuellen Niveau ist ein weiteres Aufwärtspotenzial für den Geschäftsklimaindex wohl kaum noch gegeben”, erklärte Krüger. “Für 2011 rechnen wir mit einer Erwartungseintrübung, die bei einer gleichzeitig robust bleibenden Lageeinschätzung aber lediglich moderate Indexrückgänge nach sich ziehen wird.”

Bei aller Europhie sehen die Experten für den weiteren Ausblick aber auch Risiken. “Was uns noch stören könnte, sind Störungen aus dem Ausland”, sagte der ifo-Experte Abberger. Die Euro-Schuldenkrise gehöre dazu, wobei diese auf die Realwirtschaft und die Unternehmen noch nicht durchschlage. Die Exporterwartungen seien wieder verbessert in diesem Monat. “Insofern ist das ein Thema, das noch ein wenig über allem schwebt”, sagte Abberger.

Ähnlich die Einschätzung der Commerzbank: “Zweifelsohne ist eine Eskalation der Staatschuldenkrise das große Risiko für jede Konjunkturprognose. Wir haben für unsere Prognose folgendes unterstellt: Geriete Spanien unter den Rettungsschirm und drohte die Staatsschuldenkrise zu eskalieren, würden die Staaten des Euroraums wohl beschließen, Anleihen nicht mehr getrennt, sondern gemeinsam zu emittieren. Die bonitätsstarken Länder würden teilweise für die bonitätsschwachen Länder haften, sie böten ihnen Unterschlupf. Die Staatsschuldenkrise könnte so eingedämmt werden”, meinte Krämer.