Laut dem IW planen die Unternehmen angesichts des Konjunkturrückgangs bereits vorsichtiger (Bild:

Laut dem IW planen die Unternehmen angesichts des Konjunkturrückgangs bereits vorsichtiger (Bild: Thomas Reimer - Fotolia).

von Hans Bentzien und Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Rückgang auf 105,1 erwartet. Der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator stieg erstmals seit vier Monaten. Am deutschen Aktienmarkt sorgte der Ifo-Ausweis für Gewinne, der DAX baute seine Gewinne von 0,8% auf 1,6% aus. Der Euro kletterte über die Marke von 1,34 Euro/Dollar.
Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der rund 7.000 befragten Unternehmen stagnierte im November auf dem Vormonatsstand von 116,7 Punkten. Die Prognose der Ökonomen hatte dagegen auf einen Rückgang auf 114,9 gelautet. Der Index für die Geschäftserwartungen wurde auf 97,3 Zähler nach 97,0 im Vormonat beziffert, während die befragten Volkswirte einen Rückgang auf 96,0 erwartet hatten. Es war der erste Anstieg der Erwartungen seit November 2010.
Im verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex im November leicht gesunken. Die Zufriedenheit der Industriefirmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage nahm zwar erneut ab, die Geschäftslage wurde aber weiterhin als günstig beurteilt. Die Unternehmen waren bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung wieder etwas skeptischer. Vom Auslandsgeschäft erwarteten sie sich kaum noch Impulse. Den Personalaufbau wollen sie behutsamer fortsetzen.

Der unerwartete Anstieg signalisiert nach Einschätzung des Konjunkturexperten des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Abberger, zwar noch keine Trendwende, ist aber ein Beleg für die stabile Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. “Ich würde diesen Anstieg noch nicht als Wendepunkt bezeichnen”, sagte Abberger am Donnerstag im Interview mit Dow Jones Newswires nach Veröffentlichung der aktuellen Daten zum Ifo-Geschäftsklimaindex.

“Es ist keine positive Trendwende, aber es bestätigt die Situation, dass Deutschland vergleichsweise gut fährt, dass wir zwar in einer Phase der Abkühlung sind, aber nicht am Rande eines Absturzes”, sagte Abberger. Der Indexanstieg sei ein Indiz dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft “nicht im freien Fall” befinde. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im November überraschend auf 106,6 Punkte von 106,4 im Vormonat gestiegen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang auf 105,1 erwartet.

Trotz dieses Indexanstiegs rechnet der Ifo-Experte aber mit einer weiteren konjunkturellen Abschwächung. “Vielleicht könnte sich das Wachstum im Winterhalbjahr um Stagnation herum bewegen”, sagte Abberger. Es gebe immer wieder positive Signale, etwa in diesem Monat im Einzelhandel oder im Bauhauptgewerbe. “Die Binnennachfrage, die sich darin widerspiegelt, ist weiter eine Stütze auch für die Wirtschaft”, sagte der Ifo-Experte. Insofern sei man in der Abschwächungstendenz, aber es gebe auch immer wieder Lichtblicke.

Zunehmend erkennbar sei eine Zweiteilung. Einerseits entwickelten sich die Binnennachfrage wie auch der Arbeitsmarkt sehr stabil. Andererseits laufe das Auslandsgeschäft schwächer. Man rechne kaum noch mit Impulsen aus dem Ausland.

Die europäische Schuldenkrise habe sich gerade in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. “Wir haben eine deutliche Intensivierung gesehen, vor allem in den Bankbereich hinein”, sagte Abberger. Außerhalb Deutschlands zeige dies bereits gravierende Effekte. In Osteuropa bestünden teilweise schon Kreditklemmen. “In Deutschland allerdings hat es noch nicht auf die Realwirtschaft durchgewirkt”, sagte der Ifo-Experte. Allerdings bestehe diese Gefahr auch für Deutschland und müsse im Auge behalten werden.

Die Entwicklung in Europa sei sehr dramatisch. “Die Frage ist, ob man mit einer schnellen Euro-Bonds-Lösung die Situation wirklich auflöst”, sagte Abberger. In der Eurozone werde man um strukturelle Anpassungsprozesse nicht herumkommen. Das werde Zeit brauchen. “Wir werden nicht die Big-Bang-Lösung bekommen, dass wir die Euro-Bonds einführen und dann ist alles in Ordnung, sondern wir müssen durch diese Anpassungsprozesse gehen”, sagte Abberger. Es helfe nicht, von der Notwendigkeit von Reformprozessen abzulenken.

Euro-Bonds wären ein Einzelinstrument, das letztlich nicht die strukturellen Schwächen beheben würde. “Das geht nicht das Problem der Wettbewerbsfähigkeit an”, sagte Abberger. Euro-Bonds könnten zudem die Gefahr bergen, dass Anpassungsdruck verloren ginge. “Die Gefahr besteht natürlich, dass mit Euro-Bonds die Luft herausgenommen würde”, sagte der Ifo-Experte. Gerade das Beispiel Italiens zeige, dass der Anpassungsdruck “doch Einiges bewirkt” und Reformen auf den Weg bringen könne.

Aus Sicht von Abberger war die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang November ein richtiger Schritt. “Wir sind in einer Abschwächung, auch in Deutschland und in den anderen Ländern noch stärker, und der Inflationsdruck ist nicht so enorm, dass man an der Zinsschraube nichts machen könnte”, sagte Abberger. “Wir rechnen auch damit, dass noch einmal ein Schritt nach unten kommt”, sagte der Ifo-Experte.