Der kräftige Wirtschaftsaufschwung scheint sich fortzusetzen (Bild: imageteam - Fotolia.com).

Der kräftige Wirtschaftsaufschwung scheint sich fortzusetzen (Bild: imageteam - Fotolia.com).

Das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar etwas stärker als erwartet aufgehellt und ist auf ein neues Allzeithoch gestiegen.

von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires
FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Wie das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mitteilte, stieg der Geschäftsklimaindex auf 110,3 Punkte, nachdem er im Vormonat bei revidiert 109,8 (vorläufig: 109,9) Punkten gelegen hatte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten eine Zunahme auf 110,0 erwartet. Der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator verzeichnete damit ein neues Allzeithoch.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der rund 7.000 befragten Unternehmen sank im Januar auf 112,8 Punkte, im Vormonat hatte er bei 112,9 notiert. Die Prognose der Ökonomen hatte auf einen Stand von 113,3 gelautet. Der Index für die Geschäftserwartungen wurde auf 107,8 Zähler nach 106,8 (vorläufig: 106,9) im Vormonat beziffert, während die befragten Volkswirte einen Rückgang auf 106,5 erwartet hatten.

Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe, sagte: “Ich bin erstaunt, dass die schlechten Witterungsbedingungen der Stimmung nichts haben anhaben können. Das muss an den vollen Auftragsbüchern liegen”. Gleichwohl rechnet Krüger für das erste Halbjahr mit einem Indexrückgang, was für ihn aber kein Alarmzeichen darstellen würde. “Die Wachstumsdynamik wird auch im ersten Quartal hoch bleiben”, prognostizierte er.

ING-Volkswirt Carsten Brzeski merkte an, dass die heftigsten Schneefälle seit 40 Jahren offenkundig nur die Beurteilung der aktuellen Lage durch die Unternehmen, nicht aber ihren Optimismus beeinträchtigt hätten. “Die fundamentale Verfassung der deutschen Volkswirtschaft ist einfach zu stark, als dass die Erholung demnächst einfach abbrechen könnte”, meinte er. Brzeski hob zudem hervor, dass die Investitionspläne der Unternehmen inzwischen wieder das Niveau von 2008 erreicht hätten. Die Voraussetzungen für ein Wechselspiel aus mehr Investitionen und Beschäftigungswachstum seien in den vergangenen 15 Jahren nie besser als jetzt gewesen, sagte er.

Helaba-Analystin Viola Stork meinte, der abermalige Anstieg des ifo-Geschäftsklimas zeige an, dass sich die deutsche Wirtschaft auch zu Beginn des neuen Jahres weiter auf Expansionskurs befinde. Sie sah darin aber auch einen Hinweis auf zunehmende Divergenzen innerhalb des Währungsraums: “Diese Entwicklung verdeutlicht abermals die konjunkturellen Ungleichgewichte, die innerhalb der Eurozone vorherrschen”, sagte sie.

“Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr”, kommentierte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn den abermaligen Indexanstieg. ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger meinte, die Grundtendenz für das erste Quartal sei positiv, allerdings sehe er ein Risiko in der Rohstoff- und Ölpreisentwicklung.

Im verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima nach Angaben des ifo Instituts deutlich verbessert, nachdem es sich im Vormonat etwas eingetrübt hatte. Die Industriefirmen berichteten von einer besseren aktuellen Geschäftslage und schätzten ihre Geschäftsperspektiven abermals günstiger ein. “Insbesondere im Export erkennen die Firmen deutlich größere Chancen”, merkten die Konjunkturforscher an.

Die Auslastung ihrer Geräte und Maschinen hätten die Unternehmen weiter gesteigert. “Damit ist die Industrie derzeit überdurchschnittlich ausgelastet. Die Zahl ihrer Mitarbeiter wollen die Unternehmen erhöhen”, so das ifo Institut.

Das Geschäftsklima im Einzelhandel und im Großhandel hat sich etwas abgekühlt. Allerdings hatte es sich in beiden Handelsbereichen im Dezember deutlich verbessert. Sowohl im Groß- als auch im Einzelhandel beurteilten die Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als nicht mehr ganz so gut wie im zurückliegenden Monat. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr hat zudem ihr Optimismus etwas nachgelassen.

Im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex wieder gestiegen. Die befragten Unternehmen sind mit ihrer momentanen Geschäftslage zufriedener und rechnen zudem mit einem deutlicheren Anziehen der Geschäfte in der nächsten Zeit.