BERLIN (Dow Jones/ks)–Ein hohes Konjunkturrisiko bestehe jedoch in der europäischen Schuldenkrise. Sollte sich diese ausweiten, könnte sich das bislang günstige monetäre Umfeld “abrupt eintrüben”, was vor allem für Deutschland ein hohes Konjunkturrisiko darstelle, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten IfW-Konjunkturprognose.

Insgesamt rechnen die Kieler Forscher im laufenden Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,7%, nachdem sie in ihrer Septemberprognose ein Wachstum von 3,4% erwartet hatten. Die Entwicklung in den beiden Folgejahren bleibe aufwärts gerichtet, “doch verliert die Expansion zunächst deutlich an Schwung”. Für das kommende Jahr erwartet das IfW ein Wachstum von 2,3% (zuvor: 1,7%) und 2012 dann von 1,3%. Die niedrige jahresdurchschnittliche Zuwachsrate 2012 verdecke allerdings, dass die Konjunktur im Verlauf des Jahres 2012 wieder an Fahrt gewinne.

Als Grund für die niedrigeren Wachstumsraten in den kommenden Jahren nennen die Kieler Experten die Eintrübung der Exportkonjunktur, die dem Produktionsanstieg im Inland zunächst einen spürbaren Dämpfer versetzen dürfte. 2010 dürften die Exporte um 14,8% zulegen. Im kommenden Jahr dürften die Ausfuhren um 6,4% steigen, gefolgt von einem ähnlichen Niveau 2012. Die Binnennachfrage zeige sich demgegenüber weiterhin robust. Sie steige jedoch nicht stark genug, um das gegenwärtige Aufschwungstempo zu halten.

Bei steigender Beschäftigung wird die Arbeitslosigkeit bis zum Ende des Jahres 2012 weiter deutlich zurückgehen. Im Jahresdurchschnitt sieht das IfW die Arbeitslosenzahl 2010 bei 3,252 Millionen Personen, 2011 bei 2,984 Millionen Personen und 2012 bei 2,778 Millionen Personen. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte weiter steigen, von im Schnitt 40,479 Millionen Personen 2010 auf 40,764 Millionen Personen 2011 auf dann 40,927 Millionen Personen 2012.

Die privaten Konsumausgaben dürften sich im kommenden Jahr am stärksten erhöhen und 2012 dann wieder schwächer werden. 2010 sollte das Plus bei 0,5% liegen. 2011 soll der Privatkonsum um 1,7% steigen, 2012 dann aber lediglich um 0,8%.

Bei steigender Kapazitätsauslastung sowie allmählich anziehenden Lohnstückkosten dürfte der Preisauftrieb zunehmen. Die Inflationsrate steigt den Prognosen zufolge von 1,1% im laufenden Jahr auf 1,6% im Jahr 2011 und dann 2% im Jahr 2012.

Der Finanzierungssaldo des Staates dürfte sich in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Während er 2010 noch die Maastricht-Neuverschuldungsgrenze von 3% überschreiten werde und das Defizit bei 3,3% liegen dürfte, sollte sich das Defizit 2011 auf 2,9% und 2012 dann auf 2,4% verbessern.