Konjunktur

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht den deutschen Konjunkturaufschwung weiterhin intakt und sagt höhere Wachstumsraten voraus als die Bundesregierung. - Bild: Frank Peters/Fotolia

Damit haben sie ihre Prognose zwar gegenüber dem Dezember 2015 gesenkt, als 2,2 Prozent für 2016 und 2,3 Prozent für 2017 erwartet wurden. Die Kieler Ökonomen sind aber immer noch deutlich optimistischer als viele andere Forscher. So erwarten die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds für dieses Jahr 1,7 Prozent, der Bankenverband sagte erst am Mittwoch 1,6 Prozent voraus, und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet nur mit 1,3 Prozent.

Konsumausgaben weiter treibende Kraft

Der deutsche Aufschwung sei "intakt", und die konjunkturelle Dynamik werde hoch bleiben, prognostizierte das IfW. "Insgesamt erweist sich die deutsche Konjunktur in einem schwierigen internationalen Umfeld als robust," sagte Stefan Kooths, der Leiter des Prognosezentrums bei dem Institut. "Der Trend zeigt weiter klar nach oben, zumal im Januar auch die Industrieproduktion wieder kräftig gestiegen ist."

Maßgeblich für die wieder anziehende Dynamik seien vor allem binnenwirtschaftliche Faktoren. So expandiere der private Konsum im gesamten Prognosezeitraum so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Dahinter stehen laut IfW steigende Einkommen infolge eines anhaltenden Aufwärtstrends auf dem Arbeitsmarkt, zusätzliche Impulse durch die weiter gesunkenen Ölpreise sowie staatliche Zuwendungen wie bei der anstehenden Rentenerhöhung zur Mitte des Jahres.

"Aber auch die Investitionen dürften wieder Tritt fassen und die zweite Säule des Aufschwungs bilden", sagten die Volkswirte voraus. Vor allem die Bauinvestitionen dürften wegen sehr günstiger Rahmenbedingungen deutlich schneller zulegen als im Vorjahr. Die höheren staatlichen Ausgaben für die Versorgung und Integration der Flüchtlinge stimulierten die wirtschaftliche Aktivität zusätzlich.

Im Verlauf des Jahres dürfte schließlich die Weltwirtschaft ihre Schwächephase überwinden, so dass sich auch die Absatzmöglichkeiten für die deutschen Exporteure wieder verbesserten. Auch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) werde weiter stimulierend wirken.

Grenzkontrollen ohne messbare Effekte

Der jüngste Ölpreisrückgang hat die Aussichten für die deutsche Konjunktur nach der Analyse der Forscher hingegen nicht merklich aufgehellt. Insgesamt dürfte der Kaufkraftgewinn, den ölimportierende Volkswirtschaften wie Deutschland bei Ölpreisrückgängen verzeichnen, durch schlechtere Absatzaussichten auf den Weltmärkten wieder aufgezehrt werden. "Unsere Prognose für die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr bleibt daher vom Ölpreisrückgang im Großen und Ganzen unbeeinflusst", sagte Kooths.

Ausdrücklich warnte das IfW vor einer erneuten Zuspitzung der Krise im Euroraum. So wiesen die seit einiger Zeit wieder deutlich anschwellenden Target-Salden im Zahlungsverkehrssystem zwischen der Peripherie und dem Kern des Euroraums auf neuerliche Liquiditäts- und Kapitalfluchtbewegungen hin. "Die expansive Geldpolitik kann die Unwucht in der Währungsunion nicht aus der Welt schaffen, sondern droht, neue Verzerrungen zu provozieren", meinte Kooths.

Hingegen haben die Grenzkontrollen im Schengenraum und entlang der Balkanroute nach Meinung der IfW-Forscher kaum Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft und den Binnenmarkt. Insgesamt dürfte der europäische Warenverkehr dadurch "kaum in einer Weise beeinträchtigt werden, die makroökonomisch messbar ist".