Von Hans Bentzien und Andreas Kißler

FRANKFURT (Dow Jones)–Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Dienstag mitteilte, stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vormonat um 1,6%, nachdem sie im Vormonat um 4,0% nachgegeben hatten. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Anstieg um 1,8% prognostiziert. Das Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats überstiegen die Orders damit saisonbereinigt um 18,1% (Vormonat: plus 13,9%).

Wie das BMWi weiter mitteilte, verringerte sich das Ordervolumen im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August saisonbereinigt um 1,5%. Das Ministerium betonte, dass die Industrie, gestützt auf eine robuste Inlandsnachfrage, “trotz schwächerer Bestellungen aus der Eurozone, mit einem soliden Orderzuwachs” in das Jahresschlussquartal gestartet sei. “Dabei ist das negative Vorzeichen des Zweimonatsvergleichs auch auf weniger umfangreiche Großaufträge im September und Oktober zurückzuführen.” Im Dreimonatsvergleich, bei dem die Großaufträge gleichmäßiger verteilt seien, hätten die Auftragseingänge in der Industrie mit einem saisonbereinigten Plus von 1,4% zugenommen.

Die Bestellungen aus dem Inland erhöhten sich im Oktober um 2,4%, während die Auslandsnachfrage um 0,8% zunahm. “Der Anteil an Großaufträgen entsprach im Oktober dem langjährigen Durchschnitt”, merkte das Ministerium an. Im Bereich der Vorleistungsgüter wurde ein Anstieg der Auftragseingänge um 1,6% gemeldet, bei den Investitionsgütern ein Plus von 1,3% und bei den Konsumgütern ein Zuwachs von 2,4%. Im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August erhöhten sich die Bestellungen aus dem Inland weiter um 0,4%, während sich Auslandsnachfrage um 2,9% abschwächte.

Nach Einschätzung von ING-Volkswirt Carsten Brzeski deutet das seit Juni zu beobachtende Zick-Zack-Muster bei den Auftragseingängen darauf hin, dass Deutschland in eine Phase der Wachstumskonsolidierung eingetreten ist. “Allerdings zeigen die heutigen Daten, dass die Zick-Zack-Kurve immer noch aufwärts gerichtet ist, es wird eine Konsolidierung auf hohen Niveau”, meinte Brzeski. Selbst wenn die Nachfrage nach deutschen Gütern unerwartet nachlassen würde, hätten die Unternehmen noch genug Aufträge für das kommende Jahr.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen verwies darauf, dass die leichte Enttäuschung im Oktober vor allem von den erneut rückläufigen Orders im Bereich “sonstiger Fahrzeugbau” (unter anderem Flugzeuge) ausgelöst worden sei. “Rechnet man diese sehr volatile Größe heraus, um den zugrundeliegenden Trend zu erhalten, sind die Orders im Oktober um 2,0% gestiegen und haben damit das Minus im September wieder ausgeglichen”, analysierte Solveen. Damit zeige der Trend bei den Aufträgen immer noch leicht nach oben, die Dynamik sei aber deutlich geringer als in der ersten Hälfte dieses Jahres. Wegen des anhaltenden Anstiegs von ifo-Index und Einkaufsmanagerindizes rechnet der Volkswirt aber damit, dass in den kommenden Monaten bei den Auftragseingängen wieder stärkere Zuwächse zu verzeichnen sein werden.

“Der kräftige Auftragseinbruch von September ist mit den Oktober-Daten nicht wieder wettgemacht”, befand Postbank-Volkswirtin Fabienne Riefer. Als positiv hob sie aber die inländischen Bestellungen für Investitionsgüter hervor, deren Aufwärtstrend sich ungebremst fortgesetzt habe. “Dies weist darauf hin, dass die inländischen Unternehmen auch weiterhin investieren und somit den Aufschwung stützen. Mit Blick auf die jüngste Runde von Geschäftsklimaindikatoren – der ifo-Index ist auf Rekordhoch – ist zudem nicht zu erwarten, dass der Erholung der deutschen Industrie so schnell abreißt”, meinte die Postbank-Volkswirtin.

Den Oktober-Ausweis zur Produktion im produzierenden Gewerbe veröffentlicht das BMWi am Mittwoch. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten einen Anstieg um 0,8%, nachdem im Vormonat ein Minus in gleicher Größenordnung verzeichnet worden war.