Von Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (ks)–”Für 2011 ist sogar ein Plus von gut 2% zu erwarten”, erklärte das Institut in seiner in Berlin veröffentlichten Frühjahrsprognose.
“Die deutsche Wirtschaft hat die Rezession des vergangenen Jahres überwunden und profitiert ungeachtet der Turbulenzen in der Europäischen Währungsunion vom Aufschwung in vielen Regionen der Welt”, so das IW. “Die deutsche Wirtschaft bleibt auf einem anhaltenden Erholungskurs”, betonte IW-Direktor Michael Hüther. “Der Absturz in das tiefe Tal konnte schneller gestoppt werden als vor anderthalb Jahren erwartet”, konstatierte er.
Von der aktuellen Währungskrise sah Hüther keine gravierenden Folgen für die Konjunkturprognose. “Natürlich müssen wir überlegen, welche Konsequenzen die Währungskrise für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat”, sagte er. Grundposition des IW sei, dass dies “eher in geringerem Ausmaß der Fall sein wird”.
Im Einklang mit der Vorhersage stünden die Ergebnisse der aktuellen IW-Konjunkturumfrage, an der mehr als 2.000 Unternehmen in West- und Ostdeutschland teilgenommen hätten. Danach gehen laut IW 47% der Firmen für 2010 von einer höheren Produktion aus als 2009, und nur 18% rechnen mit einem Rückgang.
Auf dem “Weg zurück zu alter Stärke” präsentiere sich insbesondere der deutsche Exportsektor: 36% der Unternehmen erwarteten für 2010 steigende Ausfuhren, und nur noch knapp 14% hätten ein schlechteres Auslandsgeschäft auf der Rechnung. Das IW erwartete in seiner Prognose einen Anstieg der Exporte um rund 7,25% in diesem und um 6% im nächsten Jahr sowie der Importe um 6% im laufenden und rund 4,75% im kommenden Jahr.
Hüther verwies darauf, dass der Euro zuletzt wieder gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren habe. “Diese Entwicklung begünstigt tendenziell die deutsche Ausfuhrtätigkeit”, unterstrich der IW-Direktor. Allerdings wollte er keine Prognose für den Euro-Kurs abgeben. “Beim Wechselkurs können Sie kurzfristig alles eintragen”, meinte er. Allerdings sehe er zum Beispiel “kein Argument” für eine Aufwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro.
Das aktuelle Euro-Kursniveau sei für sich genommen auch nicht problematisch. “Die Niveaus sind nicht das Problem, (…) sondern die Dynamik der Veränderung”, sagte Hüther und betonte, der Euro-Kurs habe auch schon bei 0,80 Euro je Dollar gelegen. Die Dynamik der Veränderung bereite Sorgen, weil “damit auch Anpassungsfähigkeiten überfordert” würden. “Hier muss es darum gehen, dass die Politik durch schlüssiges Handeln eine weitere Stabilisierung schafft,” forderte der IW-Direktor. Jeder wisse, dass eine Reform der institutionellen Rahmenbedingungen in der Europäischen Währungsunion nötig sei.
Für die Investitionen erwartete das IW eine “verhaltenere” Entwicklung, da sich vor allem die immer noch unterausgelasteten Kapazitäten bemerkbar machten. Demzufolge stünden zwar bei gut 28% der befragten Firmen in diesem Jahr höhere Investitionsausgaben auf der Planung als 2009, mit 26% gingen allerdings fast ebenso viele von einem geringeren Budget aus.
Erfreulich sei, dass es auch 2010 zu keiner Entlassungswelle komme, erklärte das IW. Jedes fünfte Unternehmen plane einen Personalabbau, ebenso viele wollten aber Mitarbeiter einstellen. Das IW sah deshalb in seiner Prognose eine Arbeitslosenquote von rund 7,75% in beiden Jahren nach 8,2% im Jahr 2009 und eine Zunahme der privaten Konsumausgaben um rund 0,5% im nächsten nach einem Rückgang von rund 0,5% in diesem Jahr.