Von Andreas Kißler, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones)–Im Mai hatte das Institut noch ein Wachstum von 1,75% für dieses und von 1,5% für kommendes Jahr vorhergesagt. “Die deutsche Wirtschaft ist unerwartet stark in das Jahr 2010 gestartet”, erklärte IW-Direktor Michael Hüther am Montag in Berlin. “Dieses Wachstumstempo wird so zwar nicht anhalten. Der Konjunkturverlauf zeigt aber stetig nach oben und lässt eine Fortsetzung erwarten”, sagte Hüther voraus. Die Wirtschaft “hat mehr und mehr vom Krisen- in den Normalmodus gewechselt, ist dort aber noch nicht ganz angekommen”, betonte der IW-Direktor bei einer Pressekonferenz.

Der Aufschwung gehe zu einem guten Teil auf den Außenhandel zurück, erklärte das arbeitgebernahe Institut. Sowohl die Exporte (plus 16,75%) als auch die Importe (plus 15,5%) erreichten im laufenden Jahr schon fast wieder jene Rekordniveaus, die sie vor der Weltwirtschaftskrise erzielt hätten. “Der Exportfunke ist früher als erwartet auf die Invesitionstätigkeit der Unternehmen übergesprungen”, erklärte Hüther.

“Wichtige Wachstumstreiber sind neben den Ausfuhren aber auch die Investitionen und der private Konsum”, betonte das IW zudem. So seien die realen Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr trotz nicht voll ausgelasteter Produktionskapazitäten um 8,25% gestiegen, und im kommenden Jahr dürfte das Plus immerhin noch rund 6,5% betragen.

“Auch die Verbraucher tragen ihren Anteil zum Aufschwung bei”, konstatierten die Kölner Ökonomen. Auch ohne Abwrackprämie gäben sie in diesem Jahr real genauso viel Geld aus wie im vergangenen, Gründe seien die sinkende Arbeitslosigkeit und die steigenden Einkommen.

Im Jahr 2011 dürften die Konsumausgaben nach den Berechnungen des IW preisbereinigt um 1% zulegen, obwohl es höhere Sozialabgaben und einzelne Transferkürzungen geben werde. “Insgesamt wird das Wirtschaftswachstum damit zunehmend von der inländischen Nachfrage getragen, die nach und nach die Konjunkturführung übernehmen wird”, analysierte das Institut.

Hüther betonte, mit einer weiteren Verstetigung der Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung werde der private Konsum immer stärkere Wachstumsbeiträge liefern. “Der Wechsel der Antriebskräfte von den Exporten zur Binnennachfrage wird sich weiter fortsetzen”, sagte er voraus.

Für die Unternehmen würden die noch nicht im normalen Ausmaß ausgelasteten Kapazitäten, die weiterhin moderaten Inflationserwartungen sowie die reichliche und günstige Bereitstellung von Liquidität durch die Notenbanken auch im Jahr 2011 die Finanzierungskosten für Investitionen auf relativ niedrigem Niveau halten. “Das Zinsniveau wird sich vielleicht um 50 Basispunkte nach oben bewegen”, prognostizierte er.

“Von der Wechselkursentwicklung erwarten wir keine großen Anpassungslasten”, unterstrich der IW-Direktor zudem. Der Euro werde gegenüber dem US-Dollar “in einem Korridor um die 1,30″ Euro/Dollar erwartet. Außerdem werde in der Prognose eine nennenswerte Beeinträchtigung der Investitionstätigkeit als Folge einer Kreditklemme ausgeschlossen.