VDMA, Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer, Produktion, 2016, Prognose

Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer: "Angesichts zahlreicher aktueller Krisenherde sowie der Investitionszurückhaltung im Inland sind keine großen Sprünge zu erwarten." - Bild: VDMA

Wie beurteilen Sie aus Sicht des VDMA die Geschäftsaussichten für 2016?
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau schaut grundsätzlich positiv auf das neue Jahr, denn Spitzentechnologie, exzellente Lösungskompetenz und Premiumqualität werden auch im Jahr 2016 im In- und Ausland gefragt sein.
Angesichts zahlreicher aktueller Krisenherde, die auch das Geschäft im Maschinenbau beeinträchtigen, sowie der Investitionszurückhaltung im Inland sind jedoch keine großen Sprünge zu erwarten. Nominal betrachtet könnte der Produktionswert 2016 die Marke von 200 Milliarden Euro zwar erstmals leicht überschreiten, doch der VDMA erwartet kein reales Wachstum in der Maschinenbauindustrie.

Insgesamt bewegt sich der deutsche Maschinen- und Anlagenbau damit zwar auch weiterhin auf hohem Niveau, das darf jedoch nicht zum Zurücklehnen führen. Im Gegenteil: Es gibt eine Vielzahl an wichtigen Handlungsfeldern, die es dringend anzupacken gilt.

Mit Blick auf die Politik sind dies beispielsweise der Ausbau der digitalen Infrastruktur, ein flexiblerer Arbeitsmarkt, eine steuerliche Forschungsförderung sowie eine Handelspolitik für neue Märkte.

Schaut man auf die Unternehmen des Maschinenbaus, ist insbesondere die individuelle Beschäftigung mit dem Thema Industrie 4.0 von hoher Relevanz. Denn nur so können neue Geschäftspo­tenziale identifiziert und notwendige Positionierungen im Wett­bewerb umgesetzt werden. Hierbei unterstützt der Verband mit zahlreichen Formaten seines VDMA Forums 4.0.

Wie weit ist der Maschinenbau beim Thema Industrie 4.0? Beobachtet er und wartet noch oder hat er bereits ‚echte‘, funktionierende Projekte?
Dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau kommt bei Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle zu, das ist eindeutig. Denn der Maschinenbau ist Anbieter und Anwender von 4.0-Technologien und Datenquelle im Produktionsprozess. Diese Position ist stark und die deutschen Maschinenbauer kommen beim Thema Industrie 4.0 sehr gut voran: Laut VDMA-Studie befassen sich knapp 60 Prozent der Firmen im Maschinenbau mit Industrie 4.0, davon rund ein Drittel intensiv. Das sind doppelt so viele wie im gesamten Verarbeitenden Gewerbe.

Fakt ist zugleich: Industrie 4.0 befindet sich im Maschinen- und Anlagenbau in allen Dimensionen in der Umsetzung, von der Insellösung bis zur Gesamtmaßnahme – ganz konkret. Die Hannover Messe Ende April wird hierzu viele Beispiele zeigen.