MÜNCHEN (Dow Jones/mn) –  Anlass seien neue Sicherheitsauflagen, die im Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung erlassen werden sollen, hieß es am Sonntag in Regierungskreisen, wie die “Süddeutsche Zeitung” (SZ) in ihrer Montagausgabe berichtet. Schon im kommenden Jahr könnten ihnen die ersten “zwei oder drei” Atomkraftwerke zum Opfer fallen. Welche das sein könnten, und wie viel länger die übrigen Reaktoren laufen könnten, sei aber noch offen.

Ungeklärt sei auch noch, ob überhaupt ein fester Zeitpunkt für das Abschalten der letzten Reaktoren genannt werde. Dies hänge letztlich auch mit der Sicherheit der Anlagen zusammen, hieß es in den Regierungskreisen. Die Unterscheidung zwischen alten und neuen Reaktoren könnte zur gesichtswahrenden Lösung für alle Seiten werden. Nach dem geltenden Atomgesetz können Betreiber ohne Probleme Laufzeiten von älteren auf neuere Anlagen übertragen. Theoretisch ließe sich so schon jetzt die Lebensdauer der jüngsten Anlagen bis weit in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts verlängern. Damit könnte selbst eine “moderate” Laufzeitverlängerung, wie sie etwa Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) fordert, zu einer weitaus größeren Zugabe für die jüngeren Kernkraftwerke führen.

Erhielten etwa alle 17 Reaktoren zusätzliche Strommengen für sechs oder acht Jahre, müssten aber zugleich ältere Anlagen wegen der neuen Sicherheitsauflagen abgeschaltet werden, dann ließe sich deren Strommenge auf die jüngeren Anlagen übertragen – die dann deutlich mehr zusätzliche Laufzeiten erhielten als nur sechs oder acht Jahre. Röttgen, aber auch die Ressorts für Inneres und Justiz, gehen bislang davon aus, dass sich nur eine moderate Verlängerung auch ohne Zustimmung des Bundesrats bewerkstelligen lässt.