LONDON (Dow Jones/rm). Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes sank überraschend stark auf 55,0 Punkte von 56,7 im Vormonat und erreichte damit den niedrigsten Stand seit sechs Monaten, wie der Informationsdienstleister Markit Economics am Montag im Zuge der ersten Veröffentlichung berichtete. Volkswirte hatten einen schwächeren Rückgang auf 56,2 Zähler prognostiziert.

Im Dienstleistungssektor verringerte sich die Aktivität ebenfalls, allerdings nur leicht. Der Einkäuferindex für den Servicesektor sank auf 55,6 Punkte von 55,8 im Vormonat. Ökonomen hatten einen Stand von 55,5 Punkte erwartet.

Der aggregierte Sammelindex, der auf dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe und dem Index des Dienstleistungsbereichs basiert, ging auf 56,1 Zähler von 56,7 im Vormonat zurück. Damit liegt der Index nach wie vor deutlich über der Schwelle von 50 Punkten, die eine Expansion des Sektors anzeigt. Stände unter 50 Punkten bedeuten eine Kontraktion.

“Die Detailergebnisse der Umfrage zeigen jedoch, dass der Aufschwung in noch stärkerem Ausmaß als bisher vom robusten Wirtschaftswachstum der beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich getragen wird”, teilte Markit mit. “Damit hat sich die Kluft innerhalb der Eurozone weiter vertieft.”

“In den vordergründig hervorragenden Daten steckt allerdings gewaltiger Sprengstoff”, kommentierte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. “Hauptsorge ist und bleibt, dass der Aufschwung über Gebühr von Frankreich und Deutschland getragen wird, während sich die Wachstumsraten in den anderen Eurozone-Ländern der Stagnation nähern.” Zudem gebe es momentan keine Anzeichen, “dass von den florierenden Kernländern ein Funke auf die Sorgenkinder in der Peripherie überspringt”.

Nach Ansicht von Postbank-Ökonom Thilo Heidrich entspricht die Entwicklung größtenteils den Erwartungen. “Aufgrund einer global etwas abflauenden Nachfrage dürfte die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands und der Eurozone ihren Höhepunkt erreicht haben. Dagegen können sich die Indizes für den Dienstleistungssektor seit Monaten auf hohem Niveau halten oder sogar stetig verbessern. Bislang deuten noch alle Indizes auf eine anhaltende Konjunkturbelebung hin.”

Für die Industrie beginne allmählich eine neue Phase, analysiert Commerzbank-Experte Christoph Weil. Die Aufholjagd nach dem massiven Einbruch dürfte zu Ende gehen. Grund für einen übertriebenen Pessimismus bestehe gleichwohl nicht. Die Einkäuferindizes lägen immer noch auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Die nationalen Daten zeigten aber auch, dass die Euro-Wirtschaft unverändert tief gespalten ist.

BNP-Paribas-Ökonom Ken Wattret geht ebenfalls davon aus, dass die Industrie im Euroraum nun an Fahrt verlieren wird. Indessen halte sich der Dienstleistungssektor zwar besser als angenommen, doch es sei zweifelhaft, ob der Sektor genug Dynamik entwickelt könne, um eine deutliche Wachstumsabschwächung der Euroraum-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte zu verhindern. “Denn die Straffung der Fiskalpolitik wird einen merklichen Gegenwind erzeugen”, gibt der Experte zu bedenken.