IfW,Prognose,Wirtschaftswachstum,2017

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat seine Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr bestätigt. - Bild: IfW/Tobias Danklefsen

Die Wirtschaftsforscher des IfW hielten "trotz internationaler Unsicherheiten" an ihrer Prognose eines Zuwachses des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,9 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr fest, wie sie in einer Mitteilung erklärten. Für 2018 rechnen sie dann mit 2 Prozent Wachstum.

Andere Forschungsinstitute haben jüngst überwiegend niedrigere Wachstumsraten vor allem für das kommende Jahr prognostiziert. So sagte das Essener RWI parallel zum IfW einen BIP-Zuwachs von 1,8 Prozent für dieses und 1,2 Prozent für nächstes Jahr voraus. Auch das Berliner DIW hatte am Vortag diese Wachstumsraten prognostiziert, während die Ökonomen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) für dieses Jahr zwar wie das IfW mit einem Plus von 1,9 Prozent rechneten, für 2017 aber nur noch 1,3 Prozent veranschlagten.

Das IfW erklärte demgegenüber, treibende Kräfte blieben Bauinvestitionen und Konsum, auch wenn ein Anstieg der Inflationsrate bis 2018 auf 1,8 Prozent die Kaufkraft etwas schmälere. Im Jahr 2017 fielen ungewöhnlich viele Feiertage auf Werktage - arbeitstäglich bereinigt würde das BIP nach den Kieler Berechnungen um 2 Prozent zulegen. "Nach der Schwäche im dritten Quartal, in dem die Wirtschaftsleistung nur um 0,2 Prozent zulegte, deuten die Frühindikatoren darauf hin, dass die Konjunktur zum Jahresende wieder deutlich an Fahrt gewinnt", sagte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths.

Bessere Exportaussichten

Zwar lege der private Konsum aufgrund steigender Inflation nicht mehr so stark zu wie bislang, dafür gewännen die Investitionen auch dank der anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen stärker an Gewicht, insbesondere im Bereich Wohnungsbau. Die Kieler Ökonomen rechnen mit einem Zuwachs des privaten Konsums von 1,9 Prozent in diesem Jahr und je 1,5 Prozent in den Jahren 2017 und 2018. Die Anlageinvestitionen sollen nach ihrer Erwartung 2016 um 2,3 Prozent, 2017 um 2,7 Prozent und 2018 um 4,0 Prozent steigen.

Die Haushaltsüberschüsse blieben hoch, und die Exporte legten wieder zu. Sie dürften dank spürbar aufgehellter Unternehmensaussichten in den deutschen Absatzmärkten wieder deutlich steigen, nach einer Rate von 2,5 Prozent in diesem Jahr um 3,6 Prozent im nächsten und 5,2 Prozent im nachfolgenden Jahr. Auch dürfte sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwachen Euro in den beiden kommenden Jahren leicht verbessern. Für die Importe sieht das IfW Zuwächse um 3,3 Prozent, 4,9 Prozent und 5,9 Prozent in den drei Jahren.

Die Arbeitslosenquote sinke auf unter 6 Prozent. Die Weltwirtschaft habe die konjunkturelle Talsohle durchschritten, und der Ölpreis dürfte niedrig bleiben, erwartete das IfW. Unter Verweis auf eine aktuelle Auswertung rechneten die Forscher ausdrücklich nicht damit, dass das Brexit-Votum in Großbritannien die deutsche Konjunktur spürbar belastet. Die langfristigen Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und des Verfassungs-Referendums in Italien seien derzeit nur schwer absehbar. "Kurzfristig dürften die Folgen gering bleiben", sagte Kooths aber.