Ölmarkt

Seit dem Zwischenhoch Ende August hat der Ölpreis nun bereits zwölf Prozent verloren. - Bild: epa/Smith

Damit liegt der Preis nur noch rund zwei Dollar über dem Jahrestief, das zugleich ein Tief für mehrere Jahre anzeigt. Allein am Donnerstag war der Brent-Preis um 3,8 Prozent gesunken.

Seit dem Zwischenhoch Ende August hat der Preis nun bereits zwölf Prozent verloren. Unmittelbarer Auslöser am Donnerstag waren neue Daten aus Amerika, wo die Lager weiter prall gefüllt sind. Die wöchentlichen Daten des US-Energieministeriums hatten bereits zum siebten Mal in Folge einen Aufbau angezeigt und stiegen zudem deutlicher als erwartet.

Damit setzt sich an den Ölmärkten das Dauerthema fort, das seit anderthalb Jahren gespielt wird: die sich öffnende Schere zwischen Angebot und Nachfrage. Vom Jahreshoch 2014 hat der Preis rund drei Fünftel abgegeben. Experten rechnen überwiegend auch weiterhin mit Druck auf den Ölpreis. "In einer Jahreszeit, für die eigentlich der Abbau der Lager üblich ist, ist jeglicher Aufbau bei den Beständen negativ", sagt John Macaluso von Tyche Capital Advisors zu den US-Daten.

Besonders markant seien die Zahlen aus Cushing in Oklahoma, dem wichtigsten Knotenpunkt im US-Pipeline-Netz. Dort stiegen die Bestände auf Wochenbasis um 2,2 Millionen Barrel. Die Produktion in den USA sei leicht gestiegen, während Kanada zugleich eine Rekordmenge in die USA importiert habe. Sollte der Preis für US-Öl der Sorte WTI unter 41,50 Dollar schließen, ist ein Rückgang unter 40 Dollar nur noch eine Frage der Zeit, vermutet Macaluso. Der Preis schloss am Donnerstag bei 41,75 Dollar, also nur knapp über der genannten Marke. "Die Produktion in den USA bleibt ein Hauptfaktor für die aktuellen Märkte", sagt Tyler Richey, Co-Herausgeber des The 7:00's Report.

Trübe Aussichten für Weltkonjunktur begrenzen Nachfrage

Es gibt freilich genügend andere Faktoren, die die Preise im Zaum halten. So hat die International Energy Agency (IEA) am Freitag gesagt, dass neben dem Überangebot auch die trüberen Aussichten für die Weltkonjunktur die Nachfrage 2016 begrenzen dürften. So werde sich das Wachstum der Nachfrage 2016 auf täglich 1,2 Millionen Barrel reduzieren nach 1,8 Millionen Barrel 2015. Die wirtschaftliche Lage bleibe in Ländern wie China schwierig. Faktoren, die noch unlängst den Konsum angetrieben hätten, verlören an Bedeutung.

Auch die Lagerbestände in den Ländern der Opec liegen auf Rekordniveau. Sie erreichten Ende September ein Volumen von nahezu drei Milliarden Barrel - zu einem Zeitpunkt, als der Brent-Ölpreis immerhin noch bei rund 50 Dollar je Fass gelegen hatte. Die Produktion in den Opec-Ländern hat sich im Oktober stabilisiert - und dies obwohl Irak und Kuwait weniger gefördert haben. Deren Ausfälle wurden ausgeglichen durch höhere Mengen aus Libyen, Saudi-Arabien und Nigeria, wie die IEA sagt.

Mit Saudi-Arabien ist ein weiteres wichtiges Stichwort geliefert. Das faktische Führungsland der Opec hat die Organisation zu der Entscheidung geführt, die Produktion trotz des Falls der Ölpreise auf dem hohen Niveau zu belassen. Das Land scheint an dieser Strategie festzuhalten zu wollen und lieber seinen Marktanteil verteidigen zu wollen als die Preise.