Dr. Reinhold Festge

VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge - Bild: VDMA

Das Produktionsvolumen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus wird 2016 nominal leicht ansteigen. Es könnte die Marke von 200 Milliarden Euro leicht überschreiten, prognostizierte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge am Donnerstag in Frankfurt. Allerdings erwartet Festge für das kommende Jahr kein reales Wachstum in der Maschinenbauindustrie. Auch in diesem Jahr gibt es bereits Stagnation in der Branche.

Der VDMA-Präsident begründete die Entwicklung vor allem mit dem Einbruch der Maschinenexporte nach Russland, die in diesem Jahr nochmals um rund 27 Prozent zurückgingen, und mit den zurückgehenden Ausfuhren nach China; diese reduzierten sich um fünf Prozent. Weitere Gründe für ökonomische Unsicherheit sind nach Einschätzung des VDMA die Krisenherde in der Ukraine, Syrien, Irak und Nordafrika sowie die Bedrohung durch potenzielle Terroranschläge.

Russland rutschte in dem Ranking der deutschen Maschinenbau-Exportmärkte von Platz vier auf Rang zehn ab. "Wir wünschen uns mehr Bemühungen seitens der Politik, die Sanktionen schrittweise wieder aufzuheben", forderte der VDMA-Chef. Der Verband ist derzeit mit der russischen Sberbank im Gespräch zur Suche nach Lösungen bei Finanzierungsproblemen für Projekte in Russland.

China wurde von den USA als Top-Exportmarkt des deutschen Maschinenbaus abgelöst. "China steckt in einer Schwächephase", diagnostizierte Festge. Allerdings bleibt das Exportvolumen enorm: In den ersten neun Monaten hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau immer noch Produkte im Wert von rund zwölf Milliarden Euro in das Reich der Mitte geliefert. Im Gesamtjahr erwartet der VDMA ein Volumen von 16 Milliarden Euro.

Nach Ansicht von Festge befindet sich China in einer Transformation: "Das Land will sich zu einer technologisch führenden Volkswirtschaft entwickeln." Dies sei eine Chance für den mittelständischen deutschen Maschinenbau, der steigende Anforderungen an Qualität und Energieeffizienz mit innovativen Lösungen bedienen könne.

Angesichts des Nullwachstums der Maschinenbaubranche rief Festge die Politik zum Handeln auf: "Liebe Regierung, unternehmt endlich etwas!", sagte er auf der Jahrespressekonferenz des VDMA in Frankfurt. Der VDMA-Präsident forderte die Regierung auf, die digitale Infrastruktur auszubauen, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten, eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen und eine Handelspolitik für neue Märkte zu initiieren. All dies sei jedoch nicht absehbar, bisher stehe die Große Koalition nicht für große Taten, so Festge.

Dem VDMA zu Folge bietet die Digitalisierung der Produktion dem Maschinenbau die Perspektive, auch in zehn oder 20 Jahren noch führend auf dem Weltmarkt zu sein. "Richtig ist, dass dabei teilweise einfache Arbeitsplätze verloren gehen", sagte Festge. Fakt sei jedoch, dass zunehmende Automatisierung nicht nur höherwertige Arbeitsplätze mit sich bringe, sondern stets auch für Stellenaufbau sorge. Voraussetzung sei allerdings, dass Werk- und Dienstverträge weiterhin hinreichend flexibel genutzt werden können. Weil der Verband der Überzeugung ist, dass das Thema "Zukunft der Arbeit" wichtig für den Erfolg des heimischen Maschinenbaus ist, hat er jetzt ein Competence Center Arbeitsmarkt mit demselben Namen gegründet.

Damit die Unternehmen möglichst viele Flüchtlinge integrieren können, erwartet der VDMA von der Politik einen rechtssicheren und verlässlichen Rahmen. Konkret hat der Verband sieben Forderungen:

Die Asylverfahren sollen deutlich beschleunigt werden.
Staatliche Sprachförderung ist grundlegend.
Qualifizierung der Flüchtlinge muss rasch ermittelt werden.
Praktika sollen für sechs Monate vom Mindestlohn befreit werden.
Flüchtlinge, die hier eine Ausbildung absolviert haben, sollen unbegrenzt weiterarbeiten dürfen.
Die Vorrangprüfung soll abgeschafft werden.
Das Beschäftigungsverbot von Flüchtlingen in der Zeitarbeit soll vollständig abgeschafft werden.