Experten sprachen von enttäuschenden Daten, die auf eine schwächere Konjunktur im zweiten Halbjahr hindeuten.

Experten sprachen von enttäuschenden Daten, die auf eine schwächere Konjunktur im zweiten Halbjahr hindeuten. - Bild: VW

In Deutschland hat das verarbeitende Gewerbe die Produktion stärker als erwartet zurückgefahren. Im Juni sei die Produktion im Monatsvergleich um 0,9 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Analysten hatten nur einen Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. Experten sprachen von enttäuschenden Daten, die auf eine schwächere Konjunktur im zweiten Halbjahr hindeuten. Allerdings versicherte Analyst Marco Wagner von der Commerzbank, dass die schwachen Produktionsdaten "kein Beinbruch" seien.

Der Produktionsrückgang zeigte sich auf breiter Basis und erfasste nahezu alle wichtigen Bereichen, wobei der Rückgang im Baugewerbe mit 3,2 Prozent im Monatsvergleich besonders stark ausfiel. Im Juni gab es nur eine Ausnahme: Für den Bereich Energie meldete das Bundeswirtschaftsministerium zeitgleich zum Statistischen Bundesamt einen Produktionszuwachs um 2,9 Prozent.

Der Auftragseingang ist um 4 Prozent rückläufig

Neben der Enttäuschung im Juni ist der Anstieg der Gesamtproduktion im Vormonat Mai schwächer ausgefallen als bislang geschätzt. Laut den Statistikern legte sie im Mai um 2,4 Prozent zu, nachdem man zuletzt von einem Zuwachs um 2,6 Prozent ausgegangen war.

Auch im Jahresvergleich verfehlten die Produktionsdaten die Markterwartung. Im Vergleich zum Vorjahresmonat meldete das Bundesamt einen Anstieg im Juni um 2,5 Prozent. Erwartet wurde ein Zuwachs um 3 Prozent.

Die Produktionsdaten folgten auf überraschend schwachen Auftragszahlen aus der deutschen Industrie. Am Montag war bekannt geworden, dass der Auftragseingang im Juni um 4,0 Prozent niedriger gewesen sei als im Monat zuvor. Experten sehen eine mögliche Ursache in der Furcht deutscher Unternehmen vor einem Handelskrieg und erwarten in diesem Jahr einen spürbar schwächeren Aufschwung.

Übereinstimmend gehen Ökonomen davon aus, dass der Produktionsrückschlag im Juni keine Gefahr für ein solides Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal sei. Allerdings sieht Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der ING Diba-Bank, dass sich die Spekulationen auf einen spürbaren Abschwung der deutschen Wirtschaft verstärken. Seiner Einschätzung nach sind die Zeiten einer Hochkonjunktur in Deutschland vorbei und die konjunkturelle Entwicklung dürfte künftig von einem stärkeren Auf und Ab geprägt sein.