Die Irritationen rund um die Eurokrise drohen sich auf die Realwirtschaft zu übertragen (Bild:

Die Irritationen rund um die Eurokrise drohen sich auf die Realwirtschaft zu übertragen (Bild: Electriceye - Fotolia.com).

FRANKFURT (ks). Bei einem statistischen Überhang von knapp 3% wächst die Branche im Jahr 2012 mit einem prognostizierten Plus von 3% nur sehr schwach, so die Analysten von der Deutschen Bank. Der Grund für die herabgesetzte Prognose ist anders als in früheren Zyklen dabei keineswegs der Zinstrend. Die beiden relativ kleinen Zinssteigerungen im Euroraum in diesem Jahr sind viel zu gering, um die Investitionsneigung zu dämpfen. Überdies gelobte die Notenbank zumindest bis Jahresende die Zinszügel nicht weiter zu straffen.

Ungemach droht dagegen rund um die Krise im Euroraum. Diese Einschätzung fußt nicht nur auf der gegenwärtigen Orderentwicklung; zwar lagen die Aufträge aus den Euroländern im Juli bereits um 4% und im Zeitraum Mai bis Juni 2011 um 2% unter Vorjahr. Die Hauptsorge aber reicht weit über den Euroraum hinaus. Die Irritationen rund um die Eurokrise und der bis dato nur mäßige Erfolg der Politik hinsichtlich der Krisenbewältigung erzeugen nämlich zusehends Unsicherheiten nicht nur in der Finanzwirtschaft, sondern auch seitens potenzieller Investoren in der Realwirtschaft. Infolge der nachlassenden Dynamik in der globalen Ökonomie dürfte das Auslandsgeschäft in den kommenden Monaten hinter den zuvor noch recht positiven Erwartungen zurückbleiben. Zudem dürften auch die Ausrüstungsinvestitionen im Inland an Schwung verlieren.

Von den Top-5 im deutschen Maschinenaußenhandel geben 2012 nicht nur die Euroländer, also Italien und Frankreich, Anlass zur Sorge. Auch Nachfrageimpulse seitens der USA, die im 1. Halbjahr 2011 noch Platz 2 belegten, sind – trotz jüngster Initiativen für ein neues Konjunkturprogramm – zumindest fraglich. China allein, das mittlerweile fast 14% der deutschen Maschinenexporte absorbiert und damit der wichtigste Kunde ist, wird trotz weiterhin günstiger Wachstumsprognosen die Schwäche der anderen „Dickhäuter“ nicht auffangen können, so die Studie. Hinzu kommt, dass China immer öfter durchaus wettbewerbsfähige Maschinen(lösungen) selbst fertigt. Mittlerweile spüren dies auch deutsche Maschinenbauer, die noch vor kurzem als „unangreifbar“ galten, wie die Photovoltaik-Ausrüster.

Die sich abzeichnende Verlangsamung der Branchenkonjunktur dürfte in der Mittelstandsbranche weitere unternehmerische Initiativen wie eine gesteigerte Anpassungsflexibilität oder optimierte Geschäftsprozesse notwendig machen, stellen die Autoren fest. Die mittelfristigen Perspektiven bleiben freilich günstig, da wichtige Zukunftsthemen rund um Ressourceneffizienz, Umweltschutz, Fertigungsautomation bis hin zum Städtebau nicht zuletzt innovative Maschinenbaulösungen erfordern.

Ein Scheitern des Euro-Projekts und ein „Rückfall in die Zeit davor“ hätten freilich weitreichende, negative Konsequenzen für die Branche, warnen die Autoren der Analyse. Dies nicht nur, weil frühere Konkurrenten mit ähnlichem Produktschwerpunkt wie deutsche Unternehmen, nicht zuletzt italienische Firmen, währungsbedingt wieder erstarken könnten.

Zuvor hatte sich der Maschinenbau schneller als in früheren Wachstumsphasen von der Krise der Weltkonjunktur 2009 und dem realen Produktionseinbruch um ein Viertel erholt. Dem Fertigungsanstieg 2010 um 9% folgt dieses Jahr ein noch stärkeres Plus um etwa 15%. Die merkliche Belebung verdankt die Branche nicht nur dem Ausland, dessen Bestellungen in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres um 21% über Vorjahr lagen. Denn das positive Auslandsgeschäft hat mit leichter zeitlicher Verzögerung auch den Inlandsabsatz belebt. Im Juli 2011 übertrafen die Inlandsbestellungen das Vorjahresniveau um 20%, während die Auslandsaufträge nur noch um 3% höher lagen. Der Auftragsbestand betrug im Juni 2011 5,8 Monate (noch mehr z.B. Werkzeug-und Bergbaumaschinen) und spricht für eine fortgesetzt günstige Produktionsentwicklung im laufenden Jahr.

Betrachtet man die deutsche Industrie insgesamt, so geht es der Branche noch hervorragend. Stark steigende Anlageninvestitionen sowie ein hohes Exportwachstum befeuerten im ersten Halbjahr 2011 die deutsche Konjunktur. Aufgrund mangelnder Impulse aus der Eurozone und den USA geht das Wachstumstempo in der zweiten Jahreshälfte jedoch rapide zurück und bleibt 2012 schwach, so die Wirtschaftsforscher von der Deutschen Bank.

Das Verarbeitende Gewerbe wird 2011 das hohe Vorkrisenproduktionsniveau übertreffen. Der Auslastungsgrad im Verarbeitenden Gewerbe liegt aktuell 3 Prozentpunkte über dem zehnjährigen Mittelwert und ist nur etwas niedriger als im Jahr 2007.

Eine Wachstumsverlangsamung zeichnet sich aber ab. So stiegen die Auftragseingänge zuletzt vor allem „nur noch“ aufgrund von Großbestellungen. Zu-dem drehten die Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe im August ins Minus. Dank der hohen Dynamik in den ersten Monaten rechnen wir aber für das Gesamtjahr 2011 noch mit einem realen Produktionsplus im Verarbeitenden Ge-werbe von 10%. Im Folgejahr dürfte der Anstieg der Fertigung dann auf 2% fallen.

Frühzyklische Branchen zeigen schon 2011 ein gebremstes Wachstum. So begaben sich die Erwartungen der frühzyklischen Chemie und Kunststoffe im August auf Talfahrt und lassen schon für 2011 ein gebremstes Wachstumstempo erwarten. Dagegen verzeichnen vor allem die Automobilindustrie und Elektrotechnik 2011 ein hohes Fertigungswachstum sowie eine hohe Kapazitätsauslastung und dürften 2012 mit dem Maschinenbau die Industriekonjunktur stützen.