Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose zur weltweiten Ölnachfrage 2010 unter Hinweis auf die überraschend positive Wirtschaftsentwicklung in den Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehoben.

PARIS (Dow Jones/rm). Im laufenden Jahr wird nun ein Anstieg der globalen Nachfrage um 2,0% oder 1,7 Mio Barrel/Tag (bpd) auf 86,4 Mio bpd prognostiziert, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichen Ölmarktbericht der IEA hervorgeht. Damit wurde die Schätzung gegenüber dem vorigen Monatsbericht um 60.000 bpd erhöht. Die Agentur weist darauf hin, dass die Prognose für 2010 unter Vorbehalt steht. Sollte die europäische Staatsschuldenproblematik einen Rückfall in die Rezession zur Folge haben, könnte dies die Ölnachfrage dämpfen. Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage der IEA zufolge um 1,5% oder 1,3 Mio bpd auf 84,8 Mio bpd gesunken.

Das weltweite Ölangebot ist nach IEA-Schätzungen im Mai auf Monatssicht um 575.000 bpd auf 86,3 Mio bpd gesunken, vornehmlich weil die Produktion außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wegen saisonbedingter Wartungsarbeiten zurückging. Die Prognose für das Ölangebot von Seiten der Nicht-OPEC-Produzenten für 2010 wurde dennoch um knapp 0,1 Mio bpd auf 52,3 Mio bpd angehoben, da der Rückgang der Nordsee-Förderung geringer ausfiel als erwartet.

Das Rohölangebot der OPEC ging im Mai gegenüber April wegen Lieferunterbrechnungen in Nigeria und Angola um 30.000 bpd auf 29,02 Mio bpd zurück. Die freien Förderkapazitäten der OPEC liegen damit nach Schätzung der IEA bei rund 5,4 Mio bpd. Die Lagerbestände der Industrie in den OECD-Mitgliedsländern erhöhten sich im April kräftig um 47,9 Mio Barrel auf 2,726 Mrd Barrel.

Die Auswirkungen des von der US-Regierung wegen des Desasters um die Ölbohrplattform Deepwater Horizon verhängten Moratoriums für Tiefseeölbohrungen sind der IEA zufolge noch schwer einzuschätzen. Sollten sich sämtliche geplanten neuen Tiefseeölprojekte wegen des Unglücks um ein bis zwei Jahre verzögern, würde dies nach Schätzung der IEA die Ölförderung im Golf von Mexiko 2015 um 100.000 bis 300.000 bpd geringer ausfallen lassen als bisher angenommen. Die Folgen des Unglücks für die Energiepolitik der USA und anderer Länder seien aber noch nicht abzusehen.