Die Störung in den Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wirkt sich auf die Maschinenexporte aus. Auch

Die Störung in den Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wirkt sich auf die Maschinenexporte aus. Auch in China geht es nicht nur aufwärts. -Bild: mhp, fotolia

Um 2,5 Prozent liegt die Produktion des deutschen Maschinenbaus in den ersten fünf Monaten unter dem Vorjahreswert. Der VDMA korrigierte seine Angaben: Für die Monate Januar bis April wurde statt eines Plus von 1,1 Prozent bei der Produktion nur ein Minus von 1,4 Prozent erreicht. Im Mai rutschte die Produktion sogar um 6,8 Prozent ab.

“Diesmal ist die Korrektur des amtlichen Produktionsindex recht heftig ausgefallen”, sagte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Das Minus im Mai sei auch bedingt durch arbeitstägliche Effekte. So habe es im Mai zwei Arbeitstage weniger gegeben. Aufgrund der negativen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte senkte der VDMA seine Prognose für das Gesamtjahr von 2 Prozent Produktionswachstum auf 0 Prozent, also Stagnation.

VDW-Chef Kapp: Russlandkrise hat spürbaren Einfluss auf unser Geschäft

Besonders die Russlandkrise trifft die verarbeitende Industrie in Deutschland. Um nochmals 29 Prozent verringerten sich die Maschinenlieferungen von Deutschland nach Russland in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Im Vorjahr ging dieser Wert bereits um 17 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zurück.

Damit rutschte Russland von Rang 4 unter den wichtigsten deutschen Maschinen-Export-Ländern auf Rang 10. Das Minus entspricht laut VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann einem Volumen von 600 Millionen Euro, wie er im Interview mit Produktion zu Industrie-Trends berichtet.

“Die Russlandkrise hat spürbaren Einfluss auf unser Geschäft”, gesteht ebenso der VDW-Vorsitzende Martin Kapp ein. Auch bei Werkzeugmaschinen sind die Neuaufträge aus Russland um 29 Prozent eingebrochen.

“Neben der Wirtschaftsflaute, dem schwachen Rubel und dem Verfall des Ölpreises sind es vor allem die Sanktionen gegen Russland, die mittelfristig keine Entspannung erwarten lassen”, analysiert Kapp die Situation. “Weil deutsche Firmen nicht wie gewohnt liefern können, verlieren russische Kunden ihr Vertrauen und schwenken auf Produkte der asiatischen Konkurrenz ein.”

Weiteres Ungemach drohe mit der vielbeschworenen Importsubstitution, über die Produktion exklusiv berichtet hatte. Russland wolle unabhängiger von ausländischen Exporten werden und auf eigene Technologie setzen.

Sichtbar wird die Störung in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland auch bei den Pkw-Exporten: Diese halbierten sich bis Mai dieses Jahres auf 24.000 Fahrzeuge. VDA-Präsident Matthias Wissmann erwartet, dass sich der russische Light-Vehicle-Markt in diesem Jahr um ein Drittel auf 1,6 Millionen Fahrzeuge verkleinern wird. “Diese deutliche Marktschwäche spüren natürlich auch deutsche Hersteller, ihr Marktanteil beträgt knapp ein Fünftel”, erläutert Wissmann in Produktion.

Volkswagen Pkw setze im ersten Halbjahr in China 6,7 Prozent weniger Fahrzeuge ab

Leidtragende ist zum Beispiel die Firma Opel, die 2015 ursprünglich 80.000 Fahrzeuge in Russland verkaufen wollte. Im März entschied die Konzernmutter General Motors jedoch, dass sich Opel zum Dezember komplett aus Russland zurückzieht. Das geplante Absatzvolumen könne aber nur zum Teil über Absatzzuwächse in anderen Märkten kompensiert werden. Opel kündigte deswegen Kurzarbeit an den Standorten Eisenach und Rüsselsheim bis zum Jahresende an.

Von der Strategie der Automobilhersteller hängen auch die Geschäfte der Automobilzulieferer ab. “Während sich Opel sehr zurückgezogen hat, investiert VW dort momentan sogar mehr”, stellt der Geschäftsführer der SCA Schucker, Olaf Leonhardt, fest. Der Markt sei prinzipiell aber für sein Unternehmen interessant.

Größere Bedeutung für die deutsche Industrie dürfte jedoch eine schwächere Konjunktur in China haben. Dort verlor der Leitindex Shanghai Composite ein Drittel seiner Kapitalisierung. Diese Entwicklung hinterlässt bereits Spuren auf dem chinesischen Automobilmarkt: Um 3,4 Prozent reduzierten sich die Neuwagenverkäufe im Juni.

Audi setzte dort im Juni 5,8 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum ab. Und die Marke Volkswagen Pkw lieferte im ersten Halbjahr in China inklusive Hongkong 6,7 Prozent weniger Fahrzeuge aus. “Der Markt in China verändert sich”, stellt Vertriebsvorstand Christian Klingler fest. Auch der chinesische Automobilverband reduzierte seine Prognose für den Absatz im Gesamtjahr: Statt um 7 Prozent soll der Automotive-Markt nur noch um 3 Prozent expandieren.

Gunnar Knüpffer