Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung sieht die deutsche Wirtschaft im

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung sieht die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich stärker auf Touren kommen als bislang erwartet. - Bild: Kurt Kleemann/Fotolia

Zu diesem Ergebnis kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in seiner neuen Konjunkturprognose. Darin gehen die Ökonomen für 2015 jetzt von einem Wachstum von 2,1 statt der im Dezember geschätzten 1,5 Prozent aus. Im Folgejahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 1,9 Prozent zulegen. Die Ökonomen monieren allerdings, dass die Wirtschaftspolitiker die Spielräume aus den Haushaltsüberschüssen nicht zur Stärkung des Wachstums nutzen, sondern lieber regulierend eingriffen.

Angeschoben wird das Wachstum von einer anziehenden Inlandsnachfrage, ausgelöst durch steigende Haushaltseinkommen. Das dürfte vor allem dem Dienstleistungssektor zugute kommen, meinen die Wirtschaftsforscher, aber auch kräftig in Wohnbauinvestitionen fließen. Nach einen spürbaren Beschleunigung im Jahresverlauf dürfte das Wachstumstempo 2016 aber wieder etwas nachlassen.

Die Investitionen der Unternehmen werden dagegen erst allmählich mit wachsender Kapazitätsauslastung Fahrt aufnehmen, erwarten die RWI-Experten. Sie rechnen bei den Exporten – mit fortschreitender Erholung der Weltwirtschaft und durch den schwächeren Euro – zwar mit einer Steigerung, die jedoch geringer sein werde als bei den Einfuhren.

Triebkraft für die deutsche Konjunktur

Übergeordnet wirken die niedrigen Ölpreise und die expansive Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) als Triebkraft für die deutsche Konjunktur. Das werde auch auf die öffentliche Haushalte ausstrahlen. Trotz der “leicht expansiv ausgerichteten Finanzpolitik” des Staates dürften Etatüberschüsse dank der starken Steuereinnahmen erzielt werden. Das RWI beziffert sie für beide Jahre auf jeweils 16 Milliarden Euro entsprechend 0,5 Prozent des nominalen BIP.

Risiken machen die RWI-Volkswirte vor allem in den USA durch die dort anstehende Zinswende aus. Deren Wirkung könnte nach der langen Phase extrem expansiver Geldpolitik deutlich stärker sein als bei früheren Zinserhöhungen. Als Belastungsfaktoren für die Weltwirtschaft nennen sie das langsamere Wachstum in China und die internationalen Konflikte, vor allem jener zwischen Russland und der Ukraine.

Positiv dürfte die Konjunkturbelebung auf den Arbeitsmarkt wirken. Die Arbeitslosenquote wird von 6,7 Prozent über 6,4 Prozent dann auf 6,2 Prozent im Jahr 2016 sinken, so ihre Prognose. Die Einführung des Mindestlohns sorge zwar für eine Verteuerung gering qualifizierter Arbeit und dämpfe den Beschäftigungsaufbau etwas. Doch gleichzeitig sieht das RWI Anzeichen, dass in einigen Bereichen die höheren Kosten über Preiserhöhungen weitergegeben werden können.

Bei den Preisen erwartet das Institut ein Anziehen von 0,4 Prozent in diesem auf 1,5 Prozent im kommenden Jahr, da die Folgen der niedrigen Rohstoffpreise langsam auslaufen würden. Die Kerninflation (ohne Energiepreise) sehen sie mit 1,1 bzw 1,6 Prozent deutlich höher.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke