Ölpreise

Nahostkrise und schwache Wirtschaftsdaten aus China sind Ursache für schwankede Ölpreise zum Jahresbeginn. Foto: pixabay_ResoneTIC.

Hatte zunächst der am Sonntagabend verkündete Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Ölförderstaaten Saudi-Arabien und Iran noch für steigende Ölpreise gesorgt, gewinnt nach und nach die Sorge vor einer schwachen Nachfrage aus China wieder die Oberhand. Im Tageshoch kostete das Barrel Brent bereits 38,50 Dollar, aktuell ist es für 37,58 Dollar zu haben nach einem Tief bei 37,03. Zum Jahresausklang in den USA kostete es 37,53 Dollar.

In China sind die Aktienkurse um 7 Prozent eingebrochen nach enttäuschend ausgefallenen Einkaufsmananagerindizes. Sie deuten weiter auf eine Schrumpfung der chinesischen Wirtschaft hin. Wegen der starken Kursverluste war der Aktienhandel am Montag sogar vorzeitig eingestellt worden. Fundamental bleibe der Ausblick für China schwach, heißt es. Das Wachstum dürfte weiter an Fahrt verlieren mit entsprechenden Folgen für die Nachfrage des weltweit als wichtige Konjunkturlokomotive betrachteten Landes. Für Verunsicherung sorgt daneben, dass Chinas Notenbank den Yuan-Referenzkurs so niedrig wie seit Jahren nicht mehr festgelegt hat.

Unterdessen zeigt die Entwicklung im Nahen Osten, wie fragil die Lage dort weiter ist, was den Ausblick für die Ölpreise 2016 zusätzlich erschwert. So hatte in den vergangenen Wochen die Erwartung eines auf den Weltmarkt drängenden wachsenden Ölangebots aus dem Iran für Druck auf die Preise gesorgt. Hintergrund waren die gelockerten internationalen Sanktionen gegen das Land nach der Einigung im Streit um das Atomprogramm im Iran.

Iran, die Nummer drei unter den Ölförderern im Nahen Osten, hatte selbst eine Anhebung der Ölexporte auf 500.000 Barrel je Tag in Aussicht gestellt. Gleichzeitig gibt es keinerlei Anzeichen anderer Ölförderer wie Saudi-Arabien und Russland, ihre Ölförderung zu senken angesichts des Preisverfalls. Die Analysten von Goldman Sachs hatten wegen der anhaltenden Angebotsschwemme Ölpreise von 20 Dollar je Barrel ins Gespräch gebracht.

Nun könnte allerdings die jüngste Entwicklung derlei Prognosen zunichte machen. "Jegliche Konfrontation dieser beiden wichtigen Ölförderer und mögliche Unterbrechungen auf der Angebotsseite werden immer für eine Art psychologische Reaktion am Ölmarkt sorgen", sagt Gao Jian, Energie-Analyst bei SCI International.

"Aber ein stärkerer Grund für die heute gestiegenen Preise ist die zunehmende Unsicherheit darüber, wie sich dieser Konflikt auf die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran auswirkt. Jede mögliche Verschiebung oder gar ein Fallenlassen der Erleichterungen wird sich positiv auf die Ölpreise auswirken", ergänzt der Experte.

Die Verschlechterung der Beziehungen könnte auch dazu führen, dass der Graben tiefer wird, der sich durch die Opec zieht, die insgesamt für ein Drittel des Welterdölangebots steht. Vor allem Saudi-Arabien und Kuwait hatten sich zuletzt immer wieder für die Beibehaltung der hohen Fördervolumen stark gemacht, um ihre Marktanteile zu halten gegenüber Wettbewerbern außerhalb der Organisation. Kleinere Förderer wie Iran und Venezuela hatten dagegen für eine Senkung plädiert.

Diese Spaltung innerhalb der Opec habe bereits dazu geführt, dass der Opec-Einfluss auf dem Weltölmarkt gesunken sei, meint Vyanne Lai, Analystin bei der National Australia Bank. Zuletzt sei dies im Dezember zutage getreten, als keine Produktionsquote für das Kartell ausgegeben worden sei. "Was für ein Plan auch immer vorgelegt wird, wenn überhaupt, der Iran wird dagegen sein, gerade nach der neuesten Entwicklung", so ein Offizieller aus Kreisen des Kartells.

Analysten halten es sogar für denkbar, dass sich der Iran ermutigt sieht, seine Produktion von derzeit 2,9 Millionen Barrel pro Tag noch zu erhöhen. "Für die kleineren und finanziell klammeren Anbieter wie Iran zählt jedes Barrel, das sie verkaufen, weil sie so an harte Devisen kommen", sagt Analyst Virendra Chauhan vom Beratungsunternehmen Energy Aspects.