In der hitzig geführten Debatte um einen Zugauftrag für Siemens hat der Auftraggeber Eurostar nun deutlich Stellung für den deutschen Konzern bezogen.

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Kritik des französischen Siemens-Wettbewerbers Alstom, der die Entscheidung gerichtlich anfechten will, wies Eurostar am Mittwoch in einer Mitteilung mit klaren Worten zurück. Die Kritik von Alstom habe keine Grundlage, das Hauptargument der Franzosen sei, dass nur ihre Züge unter dem Ärmelkanal fahren könnten.

Mit Kritik habe sich Alstom erst zu Wort gemeldet, als Siemens zum bevorzugten Bieter für einen rund 600 Mio Euro schweren Zugauftrag ernannt wurde. Der französische Siemens-Konkurrent wolle nun den Vertrag mit Siemens mit seiner Klage hinauszögern, hieß es von Eurostar.

Eurostar, der französisch-britische Betreiber der Züge durch den Eurotunnel, hatte sich am 7. Oktober entschieden, seine neuen Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens zu ordern. Nach der Entscheidung war heftige Kritik in Frankreich laut geworden, auch führende Politiker sprachen sich gegen die Entscheidung aus.

Alstom führt in seiner Kritik die Technik der Siemens-Züge an. Sie nutzen ein so genanntes Distributed-Power-System und haben mehrere unterflurig verteilte Motoren. Im Gegensatz dazu steht die Concentrated-Power-Technik, bei der je am Anfang und Ende des Zuges ein Motor angebracht ist.

Alstom übt Kritik an der Siemens-Technik, hat laut Eurostar bei seinem Gebot allerdings selbst Modelle mit mehreren verteilten Motoren angeboten. Das Thema sei von Alstom erst aufgebracht worden, als man den Bieterwettbewerb verloren hatte, erklärte Eurostar. Eurostar gehört zu 55% dem staatlich französischen Societe National des Chemins de Fer (SNCF) und zu 40% der London & Continental Railways. Die restlichen 5% liegen in den Händen des belgischen Bahnbetreibers Societe National des Chemins de Fer Belges (SNCB).