Siemens-Chef Peter Löscher zeigt sich unbeeindruckt von den globalen Sorgen über eine abflauende

Siemens-Chef Peter Löscher zeigt sich unbeeindruckt von den globalen Sorgen über eine abflauende Konjunktur (Bild: Siemens).

Von Chana R. Schoenberger und Michael Casey, Dow Jones Newswires

NEW YORK (Dow Jones)–Der Fokus des Münchener DAX-Konzerns liegt auf teuren Maschinen für große, kapitalintensive Projekte wie beispielsweise Kraftwerke. Ein starker Auftragseingang kann daher als Indikator für eine gutes Investitionsumfeld interpretiert werden.

Insbesondere die Schwellenländer, aber auch andere aufstrebende Volkswirtschaften wie die Türkei, Chile, Mexiko und Südafrika seien zuletzt stark gewachsen, so Löscher. In China beispielsweise werde die Produktion angesichts immer teurerer Arbeit zunehmend industrialisiert und Siemens-Maschinen zur Automatisierung der Fabriken seien sehr gefragt.

Aber nicht nur in den besonders stark wachsenden Volkswirtschaften, auch in den Vereinigten Staaten sehen Löscher und der Leiter der US-Landesgesellschaft, Eric Spiegel, Wachstumsmöglichkeiten. Die USA würden sich zu einer Basis für den Export entwickeln.

“Die Tatsache, dass sich unsere Aufträge im ersten Halbjahr um 15% erhöht haben, ist viel versprechend für 2012 und 2013″, sagte Spiegel. Alles in allem sehe der Konzern keine Double-Dip-Rezession, sagte der Manager mit Blick auf Spekulationen, wonach die jüngsten Wirtschaftsdaten der USA auf einen weiteren Abschwung der Volkswirtschaft hinweisen. Siemens rechnet 40% seines wertschöpfenden Geschäftes in US-Dollar ab.

“Wir sehen eine recht starke Nachfrage nach Investitionsgütern, die es während der Rezession nicht gegeben hat”, so Spiegel. So seien in diesem Jahr bislang Aufträge für Kraftwerke und Aufladestationen für Elektroautos sowie neue Verträge für den Nahverkehr in Atlanta und Houston eingegangen. Dies sei ein Zeichen, dass sowohl Unternehmen als auch die öffentliche Hand wieder investierten.

Damit die USA allerdings eine so starke Exportnation wie Deutschland werden könnten, müssten auch die mittelständischen Betriebe verstärkt in den Export gehen, sagte Löscher weiter. Zudem müsse die Forschung an energieeffizienten Technologien gefördert werden, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. Die USA profitierten allerdings von den Netzwerken ihrer großen Universitäten, dies sei “der große Vorteil der USA”.

Löscher verteidigte Deutschlands Vorgehen bei der Schuldenkrise der Euro-Zone und sagte voraus, er gehe davon aus, dass die Währungshüter die aktuelle griechische Schuldenkrise lösen und den Euro erhalten werden. “Ich bin absolut sicher, dass sie alles tun werden, was getan werden muss, damit der Euro weiterhin ein Erfolg ist”, sagte er.

Siemens sichere sich gegen Währungsrisiken ab. Rund 75% des Nettoengagements in ausländischen Währungen sei gehedged und jedes Großprojekt werde auf diese Weise abgesichert. Durch seine Tätigkeit in vielen verschiedenen Ländern – insgesamt sind es über 190 – sei der Konzern aber auch natürlich gehedged.