Frosch_Sommer

Wegen der späten Sommerferien in diesem Jahr hat die deutsche Industrie im August weniger produziert. - Bild: Pixabay/Ronile

Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands ist im August deutlicher als erwartet gesunken, was vor allem an einer schwächeren Aktivität am Bau und bei der Erzeugung von Investitionsgütern lag. Zugleich wurde der Vormonatswert nach oben revidiert. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) sank die Produktion gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent, nachdem sie im Juli um revidiert 1,2 Prozent gestiegen war.

Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten auf Basis eines vorläufig für Juli gemeldeten Rückgangs von 0,7 Prozent ein Minus von nur 0,1 Prozent prognostiziert. Die Produktion lag um knapp 2,5 Prozent über dem Niveau von August 2014. Im Juli hatte die Jahreswachstumsrate 0,9 Prozent betragen. Insgesamt lag die Produktion im August um 0,6 Prozent niedriger als von der Prognose impliziert. Für das dritte Quartal ergibt sich bisher eine "schwarze Null".

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) hat die späte Lage der Sommerferien deutlich zum Produktionsrückgang beigetragen. "Die weiter zuversichtliche Stimmung in den Unternehmen und die gute Exportentwicklung sprechen trotz schwacher Auftragseingänge im Juli und August für eine Fortsetzung der moderat positiven Industriekonjunktur. Die Rahmenbedingungen für den Bau bleiben gut", befand das BMWi.

Günstige Finanzierungsbedingungen noch nicht voll angekommen

Die Bauproduktion ging im August um 1,3 Prozent zurück, nachdem sie im Juli um 2,1 Prozent gestiegen war. Die Industrieproduktion sank um 1,1 (zuvor: plus 0,9) Prozent. Dahinter verbarg sich ein Rückgang der Erzeugung von Investitionsgütern um 2,1 (plus 2,8) Prozent, eine unveränderte Produktion von Vorleistungsgütern (Vormonat: minus 0,8 Prozent) und eine um 0,4 (minus 0,6) rückläufige Herstellung von Konsumgütern.

"Die deutsche Industrie kommt nicht richtig in Schwung", kommentierte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski die schwachen Produktionszahlen. In den vergangenen Monaten sei das industrielle Sicherheitsnetz aus niedrigen Lagerbeständen und vollen Auftragsbüchern dünner geworden. "Irgendwie sind der schwache Euro und die extrem günstigen Finanzierungsbedingungen noch nicht voll in der Wirtschaft angekommen", meint Brzeski.

Rätselhaft findet er, dass das Produktionsniveau seit Jahresbeginn nahezu unverändert geblieben ist, während die Exporte jeden Monat um rund 1 Prozent gestiegen sind. Brzeski hofft, dass sich die derzeit schwachen Daten ähnlich wie im Vorjahr als ferientagsbedingter statistischer Effekt herausstellen.