Es ist nicht das erste Mal, dass Chinas Premier Li Keqiang vor Problemen gewarnt hat. Doch das

Es ist nicht das erste Mal, dass Chinas Premier Li Keqiang vor Problemen gewarnt hat. Doch das Timing der jüngsten Warnung befeuert die Spekulationen, dass Peking seine Wachstumsziele verfehlen könnte. - Bild: Xinhua/Liu Jiansheng

Am Dienstag legt die nationale Statistikbehörde die mit Spannung erwarteten Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal und im Gesamtjahr 2014 vor.

Es ist nicht das erste Mal, dass Li vor Problemen gewarnt hat. Doch das Timing der jüngsten Warnung befeuert die Spekulationen, dass Peking seine Wachstumsziele verfehlen könnte – zum ersten Mal seit den späten 1990er Jahren. Für das Jahr 2014 hatte sich die Regierung ein Ziel von 7,5 Prozent Wachstum gesetzt.

China kämpft mit einem Abschwung im Immobiliensektor, einer nachlassenden Binnennachfrage, hohen Schuldenberge der Unternehmen und der Provinzregierungen sowie mit Überkapazitäten in vielen Bereichen der Industrie und dem Rohstoffsektor.

“Der Abwärtsdruck auf die Wirtschaft ist in diesem Jahr immer noch relativ groß und die Probleme nehmen vielleicht sogar noch zu, was die Arbeit der Regierung sehr schwierig und mühsam macht”, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur den Spitzenpolitiker.

Langsameres Wachstum als “neue Normalität”

Im dritten Quartal war die chinesische Wirtschaft um 7,3 Prozent gewachsen, das schwächste Wachstum seit fünf Jahren. Viele Ökonomen erwarten, dass Peking das Wachstumsziel für 2015 im März auf 7,0 Prozent senken wird.

Nach mehreren Jahrzehnten mit zweistelligen Wachstumsraten hat die chinesische Führung die Erwartungen der Märkte nach unten dirigiert. Die offizielle Rhetorik betont nun, dass ein langsameres Wachstum die “neue Normalität” sei.

Um eine zu starke Wirtschaftsabschwächung zu verhindern, hat die Regierung eine Reihe von einzelnen Maßnahmen ergriffen, so etwa eine bessere Versorgung der Finanzmärkte mit Liquidität, die Erhöhung von Investitionen in Infrastrukturprojekte und gezielte Kredite für die Landwirtschaft. Auch die Leitzinsen wurden erstmals seit über zwei Jahren gesenkt.

Ein Effekt war, dass der Aktienmarkt in Schanghai in den vergangenen sechs Monaten eine kräftige Rally hingelegt hat. Am Montag brach der Index jedoch um mehr als 7 Prozent ein, weil die Regierung gegen exzessive Spekulationsgeschäfte vorging.

Sollte die chinesische Wirtschaft stärker einbrechen, sehen Ökonomen eine Reihe von Optionen, die die Regierung ergreifen kann. Dazu zählen eine weitere Lockerung der Geldpolitik, eine Senkung der Mindestreserven und die Aufstockung von Investitionen in die Infrastruktur. Sollte dieser Kurs zu aggressiv verfolgt werden, besteht jedoch das Risiko, dass die Überkapazitäten und die Schuldenberge weiter wachsen.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke