Von Martin Rapp, Dow Jones

DÜSSELDORF (ks)–Der Industrieverband hob seine Produktionsprognose angesichts der jüngsten Zahlen an. Für 2010 zeichne sich eine Gesamtproduktion von knapp unter 44 Mio t ab, sagte Kerkhoff. Das wäre ein Anstieg von rund 35% zum Vorjahr, als die Nachfrage so schwach wie zuletzt in den 1960er Jahren war. Im Sommer hatte der Verband für das laufende Jahr noch mit einer Produktionsmenge von rund 43 Mio t gerechnet.

Die höhere Produktion geht Kerkhoff zufolge mit einer größeren Kapazitätsauslastung einher. Diese werde in diesem Jahr bei 83% liegen nach 62% im Vorjahr, sagte er. Damit sei die Auslastung fast schon zum langfristigen Durchschnitt zurückgekehrt.

Auch für das kommende Jahr zeigte sich Kerkhoff optimistisch. Weil der Aufschwung auf die Binnenwirtschaft überspringe, sich die Konjunktur der Kundenbranchen im Aufwärtstrend befinde und die Lagerbestände nicht überhöht seien, erwarte er auch für 2011 Wachstum. Die Zuwächse werden im Gegensatz zu diesem Jahr aber moderat ausfallen, prognostizierte Kerkhoff.

Anschließend würden die Rekordmarken aus Boomzeiten wieder in den Blick geraten. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 48,5 Mio t Rohstahl erschmolzen. Die im Vergleich zu den Erwartungen zu Beginn dieses Jahres rasche Erholung führte Kerkhoff auf die Stärke der deutschen Industrie zurück und knüpfte an diese Einschätzung die Forderung an die Politik, zu hohe Belastungen zu verhindern.

Konkret stören die Branche die Pläne in der Energie- und Klimapolitik. Insgesamt stünden den deutschen Stahlherstellern Zusatzkosten von rund 1 Mrd Euro pro Jahr ins Haus, würden alle Vorhaben wie geplant umgesetzt. Kerkhoff zeigte sich jedoch zuversichtlich, “mit guten Argumenten das meiste davon verhindern zu können”. Dass die Bundesregierung die ursprünglich geplanten Einschnitte bei der Ökosteuer zurückgenommen hat, bezeichnete der Präsident als “Demonstration wirtschaftspolitischen Verantwortungsbewusstseins”.

Weitere Risiken machte Kerkhoff erneut in der chinesischen Konkurrenz und in den gestiegenen Rohstoffkosten aus. Das Problem massiver Überkapazitäten in China, die Kerkhoff auf knapp 200 Mio t bezifferte, sei noch nicht gelöst. Der Verband fürchtet zunehmende Einfuhren von Stahl aus Asien.