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"Das erste Mal seit vielen Jahren ist das Ergebnis der Notenbanksitzung äußerst unklar. So sprechen etwa die starke US-Wirtschaft und damit ein boomender Arbeitsmarkt für eine Zinserhöhung. Dagegen steht die schwächelnde Konjunktur in China", erklärt Anleiheexperte Klaus Stopp von der Baader Bank.

Der aus zwölf Mitgliedern bestehende Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve (Fed) veröffentlicht seine Entscheidung nach einer zweitägigen Sitzung heute Abend (20.00 Uhr MESZ). Derzeit liegen die Leitzinsen auf dem historischen Niedrigwert von null bis 0,25 Prozent.

Wie klein der nun mögliche Schritt auch sein mag, er würde als Zeitenwende in der Geldpolitik gesehen. Immerhin ist die letzte Zinserhöhung in den USA fast eine Dekade und in der Eurozone gut sieben Jahre her. Seitdem haben sich Hausbauer, Unternehmer, Konsumenten und sonstige Kreditnehmer an eine Welt des dauerhaft billigen Geldes gewöhnt.

Bestätigung der positiven US-Konjunktur

Eine Erhöhung der Leitzinsen noch in diesem Jahr scheint vielen Beobachtern zufolge als ausgemacht. Allerdings sind die Auswirkungen einer Zinswende in den USA auf die Kapitalmärkte und die Realwirtschaft teilweise unberechenbar. Denn in einer Welt der vernetzten und digitalisierten Finanzmärkte wirkt sich eine solche Entscheidung nicht nur am amerikanischen Heimatmarkt aus. Sie betrifft auch den Wert des Euro und damit die Entwicklung an den Exportmärkten, die Entwicklung der Weltwirtschaft und der internationalen Finanzmärkte.

Aber: Dass in den USA die Wende vor der Tür steht, liegt vor allem daran, dass es der US-Wirtschaft gut geht. Der Schritt ist also weniger bedrohlich als vielmehr eine Bestätigung der positiven Konjunktur: Die Arbeitsmarktdaten und die Wachstumszahlen der Vereinigten Staaten sind zuletzt überraschend gut ausgefallen. Von den ökonomischen Zielen der Fed sprechen bis auf die niedrige Inflationsrate alle Daten für eine Normalisierung des Zinsniveaus.

Daneben spricht noch ein weiteres Argument für das Anziehen der Zinsschraube: Die Notenbank muss sich rechtzeitig wieder wappnen für eventuell bevorstehende schlechtere Zeiten, um dann mit monetären Lockerungen wieder gegensteuern zu können. Bleiben die Zinsen bei nahe Null, hätten die Währungshüter nur noch sehr wenig Munition.

Europa weit von monetärer Straffung entfernt

Dazu kommt, dass die Situation im Vergleich zu früheren Zinsschritten der Fed diesmal eine andere ist: Während früher die Notenbanken der Industrieländer den Aktivitäten der US-Notenbank oft nur mit Abstand einiger Monate folgten, ist damit aktuell nicht zu rechnen. Denn die Notenbank in Europa, Japan und auch China sind klar in einem Modus der Lockerung und werden es aus Sicht von Analysten auch noch einige Zeit bleiben.

So rechnet etwa Robert Halver, Finanzmarktstratege der Baader Bank, damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch in diesem Jahr neues Geld in den Finanzkreislauf bringen wird: „Die EZB ist hier an vorderster Front, um die Anfänge einer großen politischen Krise in der Eurozone gar nicht erst aufkommen zu lassen“, meint Halver und verweist auf die sich immer mehr zuspitzende Flüchtlingskrise in Europa.

Angesichts dieser politischen Herausforderungen sei in Europa kein Platz mehr für Turbulenzen an den Finanzmärkten. "Wir werden folgendes nicht mehr sehen: Griechenland wird nie mehr ein Thema werden, egal wie die Wahl ausgeht. Und zweitens werden wir sehen, dass die Maastricht-Kriterien außer Kraft gesetzt werden, damit die Länder Geld haben, um mit dem Flüchtlingsthema umgehen zu können." Von einer Straffung der Geldpolitik ist Europa demnach noch sehr weit entfernt.