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Bild: Mirko Meier/Fotolia

Die Abkühlung der Weltwirtschaft hat im August die Rekordfahrt der Vormonate bei den deutschen Exporten und beim Handelsbilanzüberschuss abgebremst. Mit einem Rückgang von 5,2 Prozent auf 97,7 Milliarden Euro fielen die kalender- und saisonbereinigten Ausfuhren mit der höchsten Rate seit fast sieben Jahren.

Im Vormonat hatten die Exporte mit revidiert 103,1 Milliarden Euro noch einen Höchstwert erreicht. Volkswirte wollten den Rückschlag jedoch nicht überbewerten und verwiesen auf Verzerrungen durch die Sommerferien sowie einen Exporteinbruch auch im August des Vorjahres, dem eine kräftige Erholung im September folgte.

Die Importe verringerten sich um 3,1 Prozent auf 78,2 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein gerundeter Handelsbilanzüberschuss von 19,5 Milliarden Euro, der damit deutlich unter den von Volkswirten prognostizierten 22,5 Milliarden Euro und dem Vormonatswert von 22,4 Milliarden Euro liegt.

In unbereinigter Rechnung schloss die Außenhandelsbilanz den August mit einem deutlich rückläufigen Überschuss von 15,3 Milliarden Euro ab, im Juli war ein Rekordüberschuss von 25,0 Milliarden Euro verbucht worden.

Deutliches Plus gegenüber Vorjahr

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Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa. - Bild: ING-DiBa

Beim Vergleich mit dem August des Vorjahres steht der deutsche Außenhandel allerdings noch recht gut da. Hier legten die Exporte um 5,0 Prozent zu, die im Vorjahresmonat jedoch ungewöhnlich schwach ausgefallen waren. Günstig sieht auch das Bild für die ersten acht Monate des Jahres aus. Der Überschuss übertraf mit 163,9 Milliarden Euro den Vorjahreswert von 136,0 Milliarden Euro deutlich.

Ökonomen verwiesen auf den Rücksetzer im August 2014, der sich in diesem Jahr wiederholt und neben den Exporten auch die Produktion erfasst habe. Analog zum Vorjahr rechnet ING-Volkswirt Carsten Brzeski daher mit einer Erholung im September. Anlass zur Panik und Sorgen für den Beginn eines Abwärtstrends gebe es nicht.

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Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. - Bild: KfW

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner zielt in der Erklärung für die schwachen August-Daten auf den Einfluss der Saisonbereinigung. Diese dürfte die späte Lage der Sommerferien gerade in den wirtschaftsstarken Bundesländern nur unvollständig erfasst haben. Zudem zeige sich ein starker Kontrast zu der guten Stimmung im Unternehmenssektor.

Zwar werde die Weltkonjunktur von der Schwäche in den Schwellenländern eingebremst. Doch das deutsche Exportwachstum profitiere weiter von dem schwächeren Euro. Er rechnet für dieses Jahr, trotz der eher schwierigen globalen Rahmenbedingungen, mit einem realen Exportplus oberhalb der 4 Prozent des Vorjahres.

Auch der Überschuss in der Leistungsbilanz ist - nach vorläufigen Berechnungen der Bundesbank - im August kräftig zurückgegangen. Mit 12,3 Milliarden Euro verfehlte er die Schätzungen von Ökonomen von 16,2 Milliarden Euro deutlich. Im Juli war der Wert mit 24,7 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch gewesen.