WASHINGTON (Dow Jones/rm). Indessen zeigten sich Experten enttäuscht von dem Blick auf die Details. Nach Angaben des Institute for Supply Management (ISM) vom Freitag sank der nationale Index der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe auf einen Stand von 54,4 Punkten. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten im Konsens einen Rückgang auf 54,0 vorhergesagt, nachdem im Vormonat für den viel beachteten Index ein Stand von 56,3 ausgewiesen worden war. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA.

“Der Indikator zeigt mit 54,4 Punkten eine relative Stärke in diesem Monat, doch das Gesamtbild ist weniger ermutigend”, erklärte ISM-Direktor Norbert J. Ore. “Der Ordereingang hat sich von seinem zyklischen Hoch bei 65,9 Zählern im Januar weiter abgeschwächt. Die Produktion wächst derzeit stärker als der Auftragseingang.” Das verarbeitende Gewerbe habe eine stärkere Erholung als andere Sektoren der Wirtschaft erlebt, doch im vierten Quartal sei wohl ein schwächeres Wachstum zu erwarten.

Der Index für den Auftragseingang fiel den Angaben zufolge auf 51,1 (Vormonat: 53,1). Der Subindex für die Produktion wurde mit 56,5 (59,9) angegeben. Die Beschäftigungskomponente verringerte sich auf 56,5 (60,4), der Index für die Lagerbestände wies einen Stand von 55,6 (51,4) auf. Für den Subindex der Preise wurde ein Wert von 70,5 (61,5) genannt.

Postbank-Ökonom Thilo Heidrich machte auf diese Preiskomponente aufmerksam: Offenbar rechneten deutlich mehr befragte Unternehmen in Zukunft mit steigenden Preisen als noch im Vormonat. Große Überraschungen seien jedoch ausgeblieben. “Der Index fügt sich gut in unser Konjunkturszenario. Auch in den kommenden Quartalen dürfte die US-Wirtschaft positive Wachstumsraten aufweisen und nicht in eine erneute Rezession abrutschen. Allerdings deutet der Index auf ein nicht allzu dynamisches Wachstum hin”, erklärte der Experte.

Ein Stand des ISM-Index von über 50 signalisiert eine Expansion des verarbeitenden Gewerbes in den USA, ein Niveau unterhalb dieser Marke weist auf eine Kontraktion hin. Das ISM betont allerdings regelmäßig, dass ein Indexstand von mehr als 41,2 Punkten über einen längeren Zeitraum hinweg immer noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) signalisiert.

Für Nord/LB-Volkswirt Bernd Krampen ist mit den Daten ein “Ende der unsäglichen Deflationsdebatte” gekommen. Insgesamt sei nach der ganz starken Dynamik in den Frühjahrsmonaten eine “gesunde Normalisierung” zu erkennen, ein von vielen befürchteter “Absturz der Konjunktur” sei aber aus den Daten keinesfalls abzulesen. “Für die Federal Reserve haben die Daten die Implikation, dass sie vorerst keine Änderung ihrer geldpolitischen Ausrichtung vornehmen muss, solange sich die Lage einfach nur normalisiert”, sagte Krampen.