Für den Maschinenbau kann es nach der Krise kein simples ‚weiter so‘ geben, sagt Dr. Ralph

Für den Maschinenbau kann es nach der Krise kein simples ‚weiter so‘ geben, sagt Dr. Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des VDMA (Bild: VDMA).

FRANKFURT (ks). Wie entwickelt sich die Konjunktur in Ihrer Branche im kommenden Jahr voraussichtlich?
Das Jahr 2010 war gekennzeichnet durch eine überraschend schnelle Kehrtwende bei Auftragseingang, Umsatz, Produktion. Dieses Tempo werden wir nicht halten können, sondern auf einen moderateren Wachstumskurs einschwenken. Der vom VDMA für 2011 erwartete Anstieg der realen Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau von 8 % nach einem Plus von rund 6 % in 2010 steht nur scheinbar im Widerspruch zur These eines Tempoverlustes. Wir gehen mit einem gehörigen Schwung ins Neue Jahr, rechnen also mit einem hohen statistischen Überhang: Weil das Produktionsniveau zur Jahreswende 2011/10 bereits deutlich über dem Durchschnitt des Jahres 2010 liegt, bedarf es nur eines vergleichsweise kleinen Wachstums, um die Prognose zu erfüllen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie 2011?
Fakt ist, dass wir in den Teilbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus ein höchst differenzierte Lage vorfinden. Diejenigen, deren Kunden erst seit wenigen Monaten wieder Aufträge platzieren, sind 2011 noch mitten in der Krisenbewältigung. Andere, die schon länger von steigenden Orders profitieren, teilweise bereits in Engpässe gelaufen sind, müssen sich mit der Frage der Nachhaltigkeit ihres Aufschwungs beschäftigen. Für alle gilt, dass es kein simples „weiter so“ gibt. Der Einbruch war zu heftig, um zur Tagesordnung überzugehen.

Welche Gefahren/Risiken könnten eine positive wirtschaftliche Entwicklung gefährden?
Wir sorgen uns hauptsächlich um die hohe Staatsverschuldung und in diesem Zusammenhang auch um den Euro. Außerdem könnte der Finanzsektor weiterhin mit negativen Überraschungen aufwarten.

Welches sind die wichtigsten Märkte?
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist regional sehr breit aufgestellt. Ein Viertel der Produkte wird in Deutschland abgesetzt, drei Viertel werden exportiert. Vom Export verbleiben 54 %, also etwas mehr als die Hälfte, in Europa, darunter 26 % in den Euro-Partnerländern. Von der anderen knappen Hälfte entfallen – mit steigender Tendenz – 29 % auf Asien, 9 % – Tendenz rückläufig – auf Nordamerika, 5 % auf Lateinamerika. Um das Ganze auf einzelne Länder herunterzubrechen: Unser größter Auslandskunde ist China mit einem Anteil an unseren gesamten Exporten von 12 %. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die USA mit 8 und Frankreich mit 7 %.

Bitte beurteilen Sie in einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) die Prognose für 2011.
Für 2011 vergebe ich für den Maschinenbau in Summe 5 von 10 Punkte. Wir sehen zwar in der Durchschnittsbetrachtung eine relativ hohe Wachstumsrate für die Produktion, aber dahinter steht eine deutlich nachlassende Dynamik und ein weiter sehr uneinheitliches Bild in den Untergruppen unserer Branche, aber auch in den verschiedenen Wirtschaftsregionen. Daher kann ich leider kein besseres Urteil abgeben.