Bild: Fotolia - Oliver J. Graf

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Nach den drastischen Produktionseinbrüchen 2009 hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau zuletzt Erholungstendenzen gezeigt. Die Krise ist damit aber keineswegs ausgestanden, denn der Markt wird voraussichtlich in den nächsten Jahren noch deutlich unter dem hohen Niveau von 2008 bleiben. Den wirkungsvollen Sofortmaßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssteigerung, die viele Unternehmen konsequent umgesetzt haben, müssen nun je nach Unternehmenssituation weitere Strukturanpassungen oder Investitionen in neue Wachstumsfelder folgen. Gleichzeitig ist die Finanzierung sicherzustellen. Ein aktives Krisenmanagement sowie die kontinuierliche und professionelle Kommunikation mit Kapitalgebern sind unverzichtbar, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Restrukturierungsstudie von Oliver Wyman „Rückkehr zu Wachstum und Profitabilität im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“.


Schnelle Erholung ist nicht in Sicht: „Der Investitionsblase im Jahr 2008 folgte ein sehr harter Einbruch“, erklärt Lutz Jäde, Partner und Restrukturierungsexperte bei Oliver Wyman. „Die künftige Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Entwicklung des Euros, dem Tempo der Erholung in wichtigen Abnehmerbranchen und der Entwicklung der BRIC-Staaten. Sollte sich der Markt jedoch in ähnlichen Zyklen wie in den 90er-Jahren erholen, kann die Branche nicht mit einer schnellen Rückkehr auf das Vorkrisenniveau rechnen.“ In diesem Fall wäre für 2010 bestenfalls ein schwaches Wachstum des Produktionsvolumens zu erwarten. Bis 2013 ist mit derselben Annahme eine jährliche Steigerung von drei bis fünf Prozent möglich. Mittelfristig müssen sich die Unternehmen in diesem Szenario auf ein um 15 bis 20 Prozent niedrigeres Produktionsvolumen als im Ausnahmejahr 2008 einstellen. Daran ändert auch die leichte Markterholung zu Beginn dieses Jahres nichts. Zwar stieg der Auftragseingang im Februar 2010 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat um 29 Prozent. Doch insgesamt liegt der Markt noch immer gut 30 Prozent unter dem hohen Niveau von 2008. „Der freie Fall ist erstmal gestoppt“, so Jäde. „Aber der Weg aus dem Tal heraus wird länger sein als vielfach erwartet.“

„Die Krise ist noch nicht vorüber, aber der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat bei konsequentem Handeln alle Voraussetzungen, um sie erfolgreich zu meistern“, betont Jäde. Für jedes Unternehmen seien auf Basis der Kostenposition und der Wachstumschancen individuelle Schwerpunkte zu definieren:

1. Position bestimmen: Kritische Betrachtung des mittelfristigen Martvolumens (inklusive Worst-Case- sowie Best- Case-Szenarien) und der eigenen Wachstumschancen vornehmen.

2. Konzept zur Krisenbewältigung erstellen: Schlüssigen Plan zur Anpassung der Kostenstruktur beziehungsweise Erschließung neuer Wachstumfelder mit dem Ziel der nachhaltigen Profitabilität entwickeln.

3. Finanzierung sichern: Liquiditätsplan über die nächsten drei Jahre erstellen und Konzept zur Absicherung der Finanzierung auch im Worst-Case-Szenario erarbeiten.

4. Transparenz und Kontrolle ermöglichen: Geeignete Instrumente zum Controlling von Umsatz, Kosten und Liquidität sowie zur Steuerung des Restrukturierungsprozesses einführen.

5. Vertrauen schaffen: Laufende und proaktive Kommunikation mit allen Stakeholdern aufbauen, insbesondere mit Fremdkapitalgebern und Kreditversicherern