Chinas Dynamik ist ungebrochen - das Reich der Mitte schickt sich an, 2025 die USA zu überholen

Chinas Dynamik ist ungebrochen - das Reich der Mitte schickt sich an, 2025 die USA zu überholen (Bild: alephnull - Fotolia.com).

von Claus Wilk
40 Jahre war Japan die unangefochtene Nummer zwei der Wirtschaftswelt hinter den USA. Nach 30 Jahren spektakulären Wachstums haben die Chinesen jetzt die Japaner überholt und haben die  Jagd auf die US-Amerikaner eröffnet. Superlative über Superlative: China überholt Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nach vorläufigen Berechnungen der Regierung in Tokio belief sich Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Kalenderquartal auf 1,28 Billionen Dollar, während China auf ein BIP von 1,33 Billionen Dollar kam. Ökonomen der US-Investmentbank Goldman Sachs erwarten laut Presseberichten, dass China bis ungefähr 2025 auch die USA einholt und zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigt. Bereits zuvor hatte China Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Dazu besitzt China mit 2,45 Billionen US-Dollar die weltweit höchste Devisenreserve. Pikant: Pekings Kommunisten sind der größte Kreditgeber der hoch verschuldeten USA.

Zwar lassen sich die japanischen und chinesischen Zahlen nicht ohne weiteres vergleichen, da sie nicht um saisonale Faktoren bereinigt sind. Dennoch sei es sehr wahrscheinlich, dass der aufstrebende Nachbar Japan damit als die Nummer Zwei abgelöst hat, meldete die führende japanische Wirtschaftszeitung Nikkei. Japans Wirtschaftswachstum schwächt sich derweil ab. Nach vorläufigen Berechnungen der Regierung stieg das BIP im zweiten Kalenderquartal angesichts schleppender Exporte und schwachen Privatkonsums nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal sei das BIP im Zeitraum von April bis Juni um 0,1 Prozent gestiegen, teilte die Regierung in Tokio weiter mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von hochgerechnet 2,3% erwartet.

Die Entwicklung stellt die Regierung vor weitere Probleme, die bereits mit Deflation und einem Anstieg der Landeswährung Yen zu kämpfen hat, was die exportorientierte Wirtschaft belastet. Der Nikkei-Index an der Börse in Tokio verlor angesichts der schwachen Zahlen zum Auftakt 1,2%. Im ersten Quartal hatte der Zuwachs nach revidierten Zahlen hochgerechnet noch 4,4% betragen. Zur Abschwächung des Exports trug das geringere Wachstum bei den wichtigen japanischen Handelspartnern China und USA bei. Zudem verlor der von Anreizen der Regierung getriebene private Konsum an Schwung. Der Wunschtraum Japans, im Heimatland zu produzieren und nach China zu verkaufen, ist zudem schon lange geplatzt. Will Japan wettbewerbsfähig bleiben, so muss es stärker in China investieren und produzieren. 

Hinter den USA (14.256 Mrd Dollar Bruttoinlandsprodukt), China (5068 Mrd Dollar), Japan (4909 Mrd Dollar) rangiert Deutschland (3353 Mrd Dollar), gefolgt von Frankreich (2676 Mrd Dollar), Großbritannien (2184 Mrd Dollar) und Italien (2118 Mrd Dollar).

Im Gegensatz zur japanischen Wirtschaft geht es in der ebenfalls exportorientierten Wirtschaft Deutschlands derzeit steil aufwärts. Am Freitag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahresabschnitt 2010 um 2,2 Prozent gewachsen ist. Dies war der stärkste Anstieg seit der Wiedervereinigung.