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Sowohl das Kieler IfW (Bild) als auch das Kinjunkturforschungsinstitur RWI sehen in Deutschland die Witschaft wachsen. - Bild: IfW/Tobias Danklefsen

Das Konjunkturforschungsinstitut RWI hat seine Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr auf 1,9 Prozent angehoben. Im Juni hatten die Ökonomen aus Essen noch lediglich ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,7 Prozent erwartet. Allerdings nahmen sie in ihrer neuen Prognose die Erwartung für das Jahr 2017 von 1,6 auf 1,4 Prozent zurück.

Für 2018 rechnet das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung mit 1,6 Prozent WachstumDie weiterhin hohen Steuereinnahmen dürften nach den Berechnungen des Instituts zu Überschüssen von 20 Milliarden Euro in diesem Jahr und 19 sowie 23 Milliarden Euro in den Jahren 2017 und 2018 führen. Die Arbeitslosigkeit werde wohl von 6,1 Prozent in diesem Jahr bis 2018 auf 6,3 Prozent steigen. Als wichtigsten Grund nannten die Ökonomen die hohe Zahl an Asylsuchenden und Flüchtlingen, deren Integration in den Arbeitsmarkt nach ihrer Einschätzung "zunächst schwierig" sein dürfte.

Dass die Quote im kommenden Jahr deutlich unter der im laufenden Jahr liege, sei in erster Linie auf eine geringere Zahl von Arbeitstagen zurückzuführen. "Im zweiten Quartal 2016 wechselten die Triebkräfte der Konjunktur allerdings vom Inland zum Außenhandel", erklärte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Getragen werde die Expansion wesentlich vom Dienstleistungssektor, in dem auch der überwiegende Teil der neu geschaffenen Arbeitsplätze entstanden sei.

Die Teuerung dürfte laut RWI um 1,6 Prozent im Jahr 2017 und um 1,7 Prozent im Jahr 2018 zunehmen - nach lediglich 0,4 Prozent im Schnitt des laufenden Jahres. "Im Prognosezeitraum dürfte zum einen der Effekt der gesunkenen Energiepreise auslaufen, zum anderen werden die gestiegenen Lohnstückkosten voraussichtlich stärker an die Verbraucher weitergegeben", sagte Döhrn.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet in diesem Jahr in Deutschland weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent. Für 2017 nahm das IfW seine Prognose allerdings um 0,4 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent zurück. Für 2018 erwartet es aber wieder 2,1 Prozent Wachstum.

"Zwar dämpft das Brexit-Votum die Wirtschaftsleistung auch hierzulande, der Aufschwung setzt sich aber fort", erklärten die Kieler Ökonomen in ihrer neuen Prognose. Die Arbeitslosenquote sinkt nach ihren Berechnungen weiter, die Verbraucherpreise ziehen an, und der Haushaltsüberschuss soll demnach bis 2018 auf über 25 Milliarden Euro steigen.

"Wir erleben in Deutschland seit drei Jahren einen ungewöhnlich gedehnten Aufschwung", konstatierte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. Die erhöhte Gangart sei nicht so ausgeprägt wie sonst, halte aber länger an. "Im Prognosezeitraum driften wir allmählich in die Hochkonjunktur", sagte Kooths voraus.

Angetrieben werde diese Entwicklung maßgeblich von binnenwirtschaftlichen Faktoren, vor allem von einer lebhaften Bautätigkeit. Aber auch das Auslandsgeschäft dürfte mit einer allmählichen Belebung der Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten nach einer Flaute im laufenden Halbjahr den Aufschwung stützen.

Grund für das geringere Wachstum im kommenden Jahr seien vor allem temporär dämpfende Faktoren wie der Ausgang des Referendums im Vereinigten Königreich. "Das Brexit-Votum dämpft auch hierzulande etwas, aber es würgt die Konjunktur nicht ab", sagte Kooths. Bis zum Jahr 2018 dürfte dieser Effekt das Bruttoinlandsprodukt nach seinen Berechnungen um gut 0,5 Prozent schmälern.

Auch eine im Vergleich zum laufenden Jahr deutlich geringere Zahl der Arbeitstage trage zur leichten Verlangsamung des BIP-Zuwachses 2017 bei. Arbeitstäglich bereinigt lege das Expansionstempo in allen drei Prognosejahren zu.

Im Gegensatz zu IfW und RWI sehen die Experten vom DIW die Lage nicht ganz so optimistisch: Die Brexit-Entscheidung der Briten wird die deutsche Konjunktur nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im kommenden Jahr deutlich bremsen. Die Berliner Ökonomen rechnen für 2017 nur noch mit einem Wachstum von 1,0 Prozent, wie aus ihrer neuen Schätzung hervorgeht