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Produktion hat bei Unternehmen und Verbänden recherchiert, wohin die Reise des deutschen Maschinenbaus 2016 geht. - Bild: Sergey Nivens/Fotolia

Die deutsche Industrie schaut besorgt auf die wirtschaftliche Entwicklung in China. Denn der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im Dezember erneut auf einen Wert von 48,2 Punkten. Die Industrieproduktion in China ist somit den zehnten Monat in Folge rückläufig.

Infolgedessen gab es zu Jahresbeginn Turbulenzen an den chinesischen Börsen, die sich auf die weltweiten Aktienmärkte auswirkten. Zumal die verarbeitende  Industrie in Deutschland abhängig von dem Absatzmarkt China ist.

„China steckt in einer Schwächephase“, diagnostizierte der VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge. Bereits 2015 wurde China als Top-Export von den USA abgelöst. Nach Ansicht von Festge befindet sich China in einer Transformation: „Das Land will sich zu einer technologisch führenden Volkswirtschaft entwickeln.“ Dies sei eine Chance für den mittelständischen deutschen Maschinenbau, der steigende Anforderungen an Qualität und Energieeffizienz mit innovativen Lösungen bedienen könne.

Weitere Gründe für ökonomische Unsicherheit sind laut VDMA-Präsident neben dem Einbruch der Maschinenexporte nach Russland die Krisenherde in der Ukraine, Syrien, Irak und Nordafrika sowie die Bedrohung durch potenzielle Terroranschläge. „Natürlich wirken sich die aktuellen  Ereignisse, die sich momentan doch sehr überschlagen, auf die aktuelle wirtschaftliche Lage aus“, sagte der Geschäftsführer der Hommel Gruppe, Gisbert Krause, in einer Umfrage zu den Industrietrends 2016 von Produktion. „Auch die deutsche Wirtschaft ist betroffen, gerade durch die Auswirkungen der Terroranschläge auf unser direktes Nachbarland Frankreich. Jedoch dürfen wir uns von diesen Ereignissen nicht Bange machen lassen.“

Der VDMA geht wegen dem rückläufigen Geschäft mit Russland und China sowie den weltweiten Krisen davon aus, dass das Produktionsvolumen des deutschen Maschinenbaus 2016 nur leicht nominal wachsen wird. Der Produktionswert soll 200 Mrd knapp überschreiten. Der Verband erwartet jedoch kein reales Wachstum in der Maschinenbauindustrie, wie es auch bereits 2015 Stagnation in der Branche gab.

ITK-Markt wird um 1,5 % wachsen

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Elektronikproduktion in China: Der Einkaufsmanagerindex zeigt, dass die chinesische Produktion den zehnten Monat in Folge rückläufig ist. - Bild: Artwell, Fotolia

Wachstum wird für die Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche (ITK) prognostiziert. „Der Gesamtmarkt der ITK wird voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 158 Milliarden Euro wachsen“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder gegenüber Produktion. Treiber seien dabei vor allem Software und IT-Services, aber auch Investitionen in die Netzinfrastruktur.

Die IT-Branche profitiert auch davon, dass Maschinenbauer ihr Unternehmen Richtung Industrie 4.0 umbauen wollen. So beschäftigt sich der Präzisionswerkzeughersteller Mapal Dr. Kress KG schon seit Längerem mit den Peripherieaufgaben rund um die eigentliche Zerspanung. „Im Rahmen von Industrie 4.0 rücken in diesem Zusammenhang neue Themen in den Vordergrund, beispielsweise die Vernetzung von Services und Geräten zum Messen, Einstellen und Ausgeben von Werkzeugen“, erläutert der Mapal-Geschäftsführer Dr. Jochen Kress. „Deshalb arbeiten wir auch eng mit einigen Softwareanbietern bezüglich des Handlings der Werkzeugdaten zusammen.“

Auch die Hommel Gruppe arbeitet in Bezug auf Industrie 4.0 an der stetigen Optimierung ihrer Prozesse und der kontinuierlichen Verbesserung der Fertigungslösungen. „Hierzu stehen wir in engem Kontakt zu unseren Herstellerpartnern und fokussieren uns gemeinsam mit unseren Partnern auf die strategische Planung und Umsetzung wegweisender Projekte“, so Geschäftsführer Krause.

Und der Software-Anbieter Symmedia, der Industrie 4.0-Lösungen anbietet, generiert seinen vollständigen Umsatz aus Industrie 4.0-Projekten.

Infolgedessen erwartet der Bitkom, dass die ITK-Branche 2016 verstärkt Mitarbeiter einstellt. „Ende 2015 waren in Deutschland erstmals mehr als eine Million Menschen in der ITK-Branche beschäftigt“, so Dr. Rohleder, „135 000 mehr als noch vor fünf Jahren.“

Firmen wollen Flüchtlinge ausbilden

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Die verarbeitende Industrie in Deutschland bietet vielerorts Praktika und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge an. Im Bild: Integration bei Rittal. - Bild: Rittal

Eine Aufgabe, die laut VDMA-Präsident Dr. Festge einen langen Atem benötigt, ist die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Auf diesem Feld zeigen die von Produktion befragten Firmen mannigfaltige Aktivitäten.

So will die Firma Kaeser Kompressoren im Herbst zusätzlich zu den 80 regulären Ausbildungsplätzen 20 Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz anbieten. Dabei soll der Ausbildung eine mehrmonatige Qualifizierungsphase vorgeschaltet sein. „Derzeit sprechen wir mit den dafür zuständigen Stellen, um Bewerber für dieses Programm zu finden, die für einen qualifizierten Ausbildungsplatz geeignet sind“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Thomas Kaeser.  Neben der grundsätzlichen Eignung für eine Ausbildung sei natürlich die Vertiefung der Deutschkenntnisse eine Grundvoraussetzung. Kaeser Kompressoren will in der Qualifizierungsphase am Vormittag Deutschkenntnisse vermitteln und am Nachmittag durch Betriebspraktika die praktischen Erfahrungen mit den theoretischen Kenntnissen kombinieren.

Auch Harmonic Drive steht seit einiger Zeit mit lokalen Verbänden und Organisationen in Verbindung und hat seine Bereitschaft signalisiert, Flüchtlingen Praktika anzubieten und ihnen bei entsprechenden Kenntnissen eine Ausbildung zu ermöglichen.

Nach Einschätzung von Bitkom-Geschäftsführer Rohleder sind viele der Flüchtlinge jung, einige sind gut ausgegebildet und wollen ihre Chance nutzen. „Deutschland ist gut beraten, diese Chance ebenfalls zu ergreifen“, sagte Rohleder. Dazu müsse es Rechtssicherheit für die Flüchtlinge und Unternehmen geben. Außerdem dürfe das Ziel eines Zuwanderungsgesetzes nicht aus den Augen verloren werden.