Nach einem rasanten Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr ziehen im zweiten Halbjahr wieder dunkle

Nach einem rasanten Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr ziehen im zweiten Halbjahr wieder dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf (Bild: Fotolia.com, Carsten Meyer).

Von Gunnar Knüpffer

LANDSBERG. Für das zweite Halbjahr zeichnet sich ab, dass das Wirtschaftswachstum wieder langsamer steigt. Nach Einschätzung des Bundesverbands deutscher Banken sei klar, dass die Erholung in Deutschland nicht in dem bisherigen Rekordtempo weitergehen könne: Derzeit verdichten sich die Abschwächungssignale für die Weltwirtschaft. Der Frühindikator für alle OECD-Länder ist bereits zum zweiten Mal in Folge gesunken. In den USA und Japan verlangsamte sich das Wachstum schon im zweiten Quartal spürbar. Auch in China deute einiges auf eine etwas langsamere Gangart der Konjunktur hin.
Die Weltkonjuktur steht aktuell im Zeichen eines auslaufenden Lagerzyklusses, urteilt der Bundesverband deutscher Banken. Während des Höhepunkts der globalen Rezession im Winter 2008/2009 wurden nämlich nicht nur die Investitionen auf „Halt“ gestellt, sondern auch die Lager drastisch abgebaut. Die Normalisierung der Lagerhaltung in den vergangenen Quartalen hat der Weltwirtschaft einen zusätzlichen Wachtumseffekt beschert, der nun ausläuft.

Die Konjunkturprogramme laufen aus
Außerdem steht eine Umstellung von massiven Staatshilfen auf eine wieder stärker von den Marktkräften getragene Entwicklung bevor. In den USA wird zwar über ein neuerliches Konjunkturprogramm debattiert, die kräftig gestiegene Staatsverschuldung werde die Spielräume dafür aber eng begrenzen und könne die Debatte zum Ausstieg aus der Förderung nur auf das nächste Jahr verschieben, meint die Bankenorganisation. Die Rücknahme der finanzpolitischen Instrumente sei damit in den nächsten ein bis zwei Jahren unumgänglich. Dieser Umstellungsprozess dürfte nicht reibungslos verlaufen und das Wachstumstempo drosseln.
Nach Ansicht des Bundesverbands stellt auch die europäische Staatsschuldenkrise weiterhin einen Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte dar. Die Risikoaufschläge der hoch verschuldeten Länder seien trotz der Rettungsprogramme und des Aufkaufs von Papieren durch die Europäische Zentralbank kaum gesunken. Zudem seien mit den unvermeidlichen Konsolidierungsmaßnahmen in diesen Ländern bremsende Konjunktureffekte für den gesamten Euroraum verbunden.
Der Prognose des Verbands zu Folge wird der wirtschaftliche Rückenwind für die stark exportlastige deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten abflauen. Die Wachstumsraten, wie man sie sonst nur von Emerging Markets kennt, würden eine Ausnahme bleiben.
So lag der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im Juli 2010 um real 48 % über dem Ergebnis des Vorjahres, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am vergangenen Mittwoch in Frankfurt mit. Das Inlandsgeschäft stieg um 38 %. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Plus von 54 % im Vergleich zum Vorjahresniveau. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Mai bis Juli 2010 ergab sich insgesamt ein Plus von 57 % im Vorjahresvergleich, bei den Inlandsaufträgen ein Plus von 51 % und bei den Auslandsaufträgen ein Plus von 60 %.„Die Orderkurve hat seit Sommer letzten Jahres einen nahezu mustergültigen V-förmigen Kurvenverlauf genommen“, sagte VDMAChefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Im Drei-Monats-Vergleich lägen inzwischen alle Fachzweige im Plus, allerdings mit extrem unterschiedlichen Raten. 
Angesichts der guten Ausgangslage ist nach Ansicht des Bankenverbands kein neuerliches Abgleiten in die Rezession zu befürchten. Dies gelte auch für die Weltwirtschaft insgesamt. So hat sich das Wirtschaftswachstum in den USA zwar reduziert, mit einer Rate von 0,6 % konnte sich die Entwicklung des Vorquartals aber fortsetzen. Die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und Dienstleistungen seien ein Hoffnungswert.

“Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht überwunden”
Nach Ansicht des Bundesverbands sollte die sich für das zweite Halbjahr abzeichnende wirtschaftliche Verlangsamung als Mahnung gesehen werden: „Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht überwunden.“ Die Folgen seien und blieben spürbar. So sei die europäische Staatsschuldenkrise, deren nachhaltige Eindämmung noch etwas dauert, in die Wirkungskette der vorangegangenen Übertreibungen einzureihen. Viele Industrieländer – insbesondere die von einer ausgeprägten Immobilienblase und eine übersteigerten Inlandsnachfrage geprägt waren – würden noch lange Zeit benötigen, ihre strukturellen Probleme zu beseitigen. Damit dürften niedrigere wirtschaftliche Wachstumsraten und eine höhere strukturelle Arbeitslosigkeit in diesen Ländern bis auf weiteres das Bild prägen.