Laut den Experten des ZEW haben vor allem die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA in

Laut den Experten des ZEW haben vor allem die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA in Verbindung mit den enttäuschenden Daten zum deutschen BIP im zweiten Quartal die Konjunkturerwartungen nach unten gezogen (Bild: Dan Race - Fotolia.com).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf minus 26,0 Zähler prognostiziert. Der Index der Lagebeurteilung sank auf plus 53,5 (Vormonat: plus 90,6) Punkte, erwartet worden war ein Rückgang auf plus 87,5 Zähler.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone sanken im August um 33,0 auf minus 40,0 Punkte, der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verschlechterte sich um 21,4 Punkte auf minus 19,1. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit.

Das ZEW begründete den “erheblichen Rückgang” der Konjunkturerwartungen in erster Linie mit der makroökonomischen Unsicherheit, die sich wegen der Angst vor einer Rezession in den USA in Verbindung mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes erhöht habe. Vor diesem Hintergrund und auch wegen der krisenhaften Entwicklung im Euroraum hätten die Investoren außerdem die enttäuschenden Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal zum Anlass genommen, die weitere konjunkturelle Entwicklung wesentlich skeptischer einzuschätzen.

“Die bisher schon geäußerte Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der künftigen konjunkturellen Entwicklung hat sich dramatisch verstärkt. Die Erwartungen stehen überdies im Einklang mit dem Konjunkturpessimismus an den Aktienmärkten”, kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Auf diesen Punkt wies auch Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank, hin: “Die Umfrage wurde in den vergangenen zwei Wochen auf dem Höhepunkt der Aktienmarktturbulenzen durchgeführt, die ihrerseits von Konjunkturängsten ausgelöst worden waren”, sagte er. Für sich genommen zeige der ZEW-Index für das vierte Quartal zwar eine Rezession an, doch zeichneten andere Stimmungsindikatoren, wie ifo-Index und Einkaufsmanagerindizes, ein andere Bild. So deuteten die am Morgen veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes auf ein anhaltendes, wenn auch schwaches Wachstum hin.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen hält im aktuellen Umfeld die PMI und das ifo-Geschäftsklima gleichfalls für die geeigneteren Konjunkturindikatoren. Die hätten bisher allerdings keinen Unsicherheitsschock im Zuge einer eskalierenden Staatsschuldenkrise im Euroraum angezeigt, meinte er.

Ken Wattret von BNP Paribas bezog sich in seiner Analyse auf einen aus Erwartungen und Lagebeurteilung zusammengesetzten ZEW-Index. Dieser habe sich seit Februar von rund 50 Punkten auf jetzt 7,9 reduziert, was ein BIP-Jahreswachstumsrate von knapp 2% anzeige, erläuterte er. Im ersten Quartal hatte die Jahreswachstumsrate noch 4,6% betragen.