Andreas Gontermann, ZVEI, Konjunktur, Elektrotechnik- und Elektronikindustrie

ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann: "Ein Drittel der Elektroausfuhren wird in den Schwellenländern abgesetzt". - Bild: ZVEI, Frederick Böttcher

Produktion: Herr Gontermann, wie läuft das Geschäft in der deutschen Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und welche Entwicklung erwarten Sie für das 2. Halbjahr 2017?

Andreas Gontermann: "Die deutsche Elektroindustrie hat sich in diesem Jahr bislang dynamisch entwickelt. Die reale Produktion der Branche stieg in den ersten fünf Monaten 2017 um gut fünf Prozent gegenüber Vorjahr. Die nominalen Erlöse erhöhten sich im gleichen Zeitraum um sieben Prozent auf 75,7 Milliarden Euro.

Die gegenwärtige Stimmung ist gut. Gleichwohl stellen die derzeitige Unberechenbarkeit der Wirtschaftspolitik in den USA, die Brexit-Verhandlungen, die immer noch fragile Lage in einigen Ländern der Eurozone oder die Spannungen mit der Türkei Risikofaktoren dar, die auf das zweite Halbjahr abstrahlen könnten."

Produktion: Welche Märkte sind derzeit für die Elektroindustrie von Bedeutung? Inwieweit haben politische Veränderungen dabei Einfluss auf das weltweite Geschäft?

Gontermann: "In regionaler Hinsicht gehen bis heute immer noch zwei Drittel der gesamten Branchenexporte nach Europa, die Hälfte davon in den Euroraum. Die größten Einzelabnehmer sind – in dieser Reihenfolge – die Länder China, USA, Frankreich, Großbritannien sowie die Niederlande.

Gleichzeitig wird inzwischen ein Drittel der Elektroausfuhren in den Schwellenländern abgesetzt. Klar ist, dass die weltweiten Geschäfte umso besser laufen, je stabiler die politischen wie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind."

Produktion: Mit welchen neuen Technologien beschäftigt sich die Elektrobranche aktuell und was versprechen Sie sich davon?

Gontermann: "Die Leitmärkte der Elektroindustrie sind Energie, Gebäude, Gesundheit, Industrie und Mobilität. In allen diesen Märkten ist die Digitalisierung von zentraler Bedeutung.

Einer Innovationsstudie zufolge, die der ZVEI Ende 2016 zusammen mit Fraunhofer ISI und IW Consult vorgestellt hat, ist die Elektroindustrie dabei Leitbranche der Digitalisierung, und zwar sowohl aus Anwender- als auch aus Anbieterperspektive. In 90 Prozent der Unternehmen kommen bereits smarte Prozesse zum Einsatz, bei zwei Dritteln smarte Produkte und bei der Hälfte smarte Dienste.

Gleichzeitig erwirtschaftet die Elektroindustrie etwas mehr als 20 Prozent ihrer Erlöse mit digitalen beziehungsweise digital veredelten Produkten oder Dienstleistungen. In den nächsten fünf Jahren sollte dieser Anteil auf über 40 Prozent steigen, bei den großen Unternehmen sogar auf über 50 Prozent.


Produktion: Bitte bewerten Sie die aktuelle konjunkturelle Entwicklung mit einer Schulnote.

Gontermann: "Wir vergeben eine 2."