Eric Schulz

Der 54-Jährige ist bislang bei Rolls-Royce für die Motorenprogramme von Zivilflugzeugen zuständig und wird Ende Januar als Executive Vice President mit Zuständigkeiten für Vertrieb, Marketing und Verträge zu Airbus wechseln und dabei direkt Konzernchef Tom Enders unterstellt sein. - Bild: Rolls Royce/Flickr

Schulz tritt in große Fußstapfen. Er ersetzt die Branchenlegende John Leahy. Der 67-Jährige war bei Airbus seit 1994 weltweiter Vertriebschef, davor ein Jahrzehnt lang oberster Verkäufer für die USA. Im Laufe seiner Karriere bei Airbus ist Leahy der erfolgreichste Flugzeugverkäufer der Welt geworden. Als er zu dem europäischen Unternehmen stieß, hatte Airbus noch nicht einmal 400 Maschinen verkauft - seither sind rund 17.000 hinzugekommen.

Leahy hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Airbus zwischenzeitlich zum größten Flugzeughersteller der Welt geworden ist. 2003 lieferte er erstmals mehr Maschinen aus als Boeing. 2012 übernahm der US-Konkurrent wieder die Spitzenposition.

Leahy wird nach einer Übergangszeit in Rente gehen, erklärte Airbus. Konzernchef Enders sprach von einem "historischen" Verdienst, den sich der US-Amerikaner bei der Entwicklung des Geschäftes mit Verkehrsflugzeugen erworben habe.

Mit Schulz nominiert zum zweiten Mal innerhalb kurzer Frist einer der großen Flugzeughersteller einen hochrangigen Manager eines Zulieferers für eine Top-Position. Im vergangenen Jahr holte Boeing Kevin McAllister als Chef für das Geschäft mit Verkehrsflugzeugen, der bis dato das Flugservice-Geschäft von General Electric geführt hatte.

Der neue Airbus-Vertriebschef war bei Rolls-Royce für die Triebwerke zuständig, mit denen die Langstreckenjets von Airbus betrieben werden. Schulz wechselt zu einem Zeitpunkt zu Airbus, da der Flugzeughersteller einen hohen Auftragsbestand an Flugzeugen in seinen Büchern stehen hat.

Die Aufträge einiger Flugzeugtypen reichen über das Jahr 2025 hinaus. Dennoch ist die Situation nicht einfach: Der Superjumbo A380, der mehr als 600 Passagieren Platz bietet, verkauft sich nur schleppend. Wegen mangelnder Nachfrage musste Airbus die Fertigung soweit drosseln, dass die Produktionskosten mit dem Verkaufspreis der Maschine nicht mehr hereingeholt werden können.

Überdies muss sich Airbus wegen Unregelmäßigkeiten im Vertrieb mit staatlichen Untersuchungen herumschlagen. Britische und französische Behörden prüfen, warum bei einigen Flugzeugverkäufen der Einsatz von Mittelsmännern nicht wie erforderlich angezeigt wurde. Auch in den USA wird die Rolle dieser externen Vermittler überprüft, allerdings geht es dort um militärische Aufträge.

Bei Rolls-Royce hat die Suche nach einem Nachfolger für Schulz begonnen. Der ist zwar noch bis zum Jahresende für sein Unternehmen tätig, allerdings übernimmt mit sofortiger Wirkung Chris Young die Verantwortung für alle kommerziellen und strategischen Fragen. Hier geht es nämlich auch um Geschäft mit den Wettbewerbern von Airbus.