Altbundeskanzler Helmut Kohl starb am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren. - Bild: Marie-Lisa Noltenius, Wikipedia, CC BY 2.0

Altbundeskanzler Helmut Kohl starb am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren. - Bild: Marie-Lisa Noltenius, Wikipedia, CC BY 2.0

Das berichten die "Bild" und die "Süddeutsche Zeitung". Am Abend bestätigte auch die CDU den Tod ihres langjährigen Parteivorsitzenden auf Twitter.

Kanzler der deutschen Einheit

Der gebürtige Ludwigshafener Helmut Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler. Mit insgesamt 16 Jahren Amtszeit war er der am längsten regierende Kanzler der Bundesrepublik und der erste Kanzler des wiedervereinigten Deutschland. Vielen gilt er als Kanzler der Einheit, denn in seine Amtszeit fällt die deutsche Wiedervereinigung. Er gilt auch Wegbereiter der Europäischen Union und einer gemeinsamen Währung.

Ende Oktober 1996 war es soweit: Helmut Kohl amtierte als dienstältester Kanzler der Bundesrepublik, mit 5.145 Amtstagen hatte er jeden seiner Vorgänger übertroffen. Fünf Mal wurde der CDU-Politiker zum Kanzler gewählt, er kam auf eine 16-jährige Amtszeit, zwei Jahre mehr als bei Konrad Adenauer. Sein größtes politisches Vermächtnis war die deutsche Wiedervereinigung. Als "Kanzler der Einheit" wird Kohl nach seinem Tod in Erinnerung bleiben. Er starb am Freitag im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen.

Kohl, am 3. April 1930 in Ludwigshafen geboren, trat 1947 der CDU bei, und seine Parteikarriere verlief linear bis zum Bundesvorsitz, in den er am 12. Juni 1973 gewählt wurde. 1969 wurde er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, 1982 wurde er beim Misstrauensvotum gegen SPD-Kanzler Helmut Schmidt zum Regierungschef in Bonn gewählt.

"Politik mit der Strickjacke"

Kohls Art zu arbeiten nannte man gerne "Politik mit der Strickjacke". Im kleinen Kreis fühlte er sich wohl, vor großem Publikum machte er nicht immer eine gute Figur. So sprach er von Deutschland als "kollektivem Freizeitpark", versprach Ostdeutschland zu pauschal und zu früh "blühende Landschaften" und beanspruchte beim Besuch Israels für sich die "Gnade der späten Geburt".

Mit seinem Freund François Mitterrand erfüllte er die deutsch-französische Freundschaft mit neuem Leben, legendär wurde beider Händedruck an den Weltkriegsgräbern in Verdun. Zwar wurde Kohl immer wieder vorgeworfen, Probleme auszusitzen. Als größte politische Leistung Kohls aber ist nach dem Mauerfall von 1989 die deutsche Wiedervereinigung 1990 unumstritten.

Ansehensverlust durch Spendenaffäre

Prestige und Einfluss zerbarsten allerdings in der CDU-Parteispendenaffäre, die 1999 Stück für Stück ans Licht kam. Die heutige CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel - von Kohl auch gerne als "mein Mädchen" tituliert - leitete Ende 1999, damals noch als Generalsekretärin, in einem Beitrag für die FAZ die Abnabelung der Partei von Kohl als Führungsperson ein.

Im Januar 2000 musste Kohl schließlich den CDU-Ehrenvorsitz abgeben. Zuvor hatte er sich unter Berufung auf ein gegebenes Ehrenwort vehement geweigert, die Namen der Spender zu nennen. In den 27 Jahren, in denen er gewählter Vorsitzender der CDU war, hatte der Kanzler in hemdsärmeliger Manier ein innerparteiliches Patriarchat installiert, "System Kohl" genannt. Zu dem gehörten auch die schwarzen Spendenkassen, aus denen er Gelder nach Gutdünken an den Büchern der Partei vorbei und gegen die Vorschriften des Parteiengesetzes an CDU-Gliederungen schleuste.

Im Rahmen der juristischen Aufarbeitung der Affäre wurde gegen Kohl ermittelt, das Verfahren gegen ihn letztlich gegen die Zahlung eines Bußgeldes von damals 300.000 D-Mark eingestellt. Im September 2002 nahm Kohl an seiner letzten Plenarsitzung als Abgeordneter teil.

Streit um Stasi-Akten

Erfolgreich wehrte er sich gegen die Herausgabe seiner 7.000 Seiten umfassenden Stasi-Akten. Züge der Verbitterung entdeckten Kritiker in seinen Memoiren. Erst sein 75. Geburtstag mit vielen internationalen Gästen geriet wieder zur uneingeschränkten Würdigung seiner Verdienste als "Kanzler der Einheit".

Und auch privat konnte sich Kohl freuen. Mit 75 Jahren fand sich wieder eine Frau an seiner Seite: Maike Richter, eine promovierte Volkswirtin, die einst als junge Beamtin im Bonner Kanzleramt saß, 34 Jahre jünger als er. Lange Jahre hatte Kohl zusammen mit seinen Söhnen Walter und Peter unter dem Tod von Hannelore Kohl gelitten, die sich im Juli 2001 aus Verzweiflung über ihre Lichtallergie das Leben genommen hatte. Mitte April überraschte Kohl mit der Nachricht, seine langjährige Lebensgefährtin heiraten zu wollen.

Am 8. Mai 2008 war es dann soweit. Kohl und Richter heirateten im engsten Freundeskreis in Heidelberg. Kohls Sohn Walter sagte später der Illustrierten Bunte, er sei befremdet darüber gewesen, dass sein Bruder und er nicht zur Hochzeit des Vaters eingeladen waren. Anwesend waren der Dekan Erich Ramstetter, der die kirchliche Trauung vornahm, Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner und die Trauzeugen Leo Kirch und Kai Diekmann.

Gesundheitliche Probleme

Die Hochzeitspläne erreichten die Bevölkerung in einer für Kohl schweren Zeit. Ende Februar war er in seinem Haus in Ludwigshafen gestürzt und hatte sich Medienberichten zufolge ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Kohl, der Ende 2007 am linken Knie operiert worden war, sei noch in der gleichen Nacht operiert worden, hieß es. Danach musste sich der Altkanzler einem strengen Reha-Programm unterziehen.

Im Februar 2010 wurde dem Altbundeskanzler wegen akuter Beschwerden die Gallenblase entfernt. Der Eingriff sei komplikationslos verlaufen, teilte sein Büro damals mit. Danach wurden seine öffentlichen Auftritte immer spärlicher.

Im Mai 2011 wurde Kohl der Henry A. Kissinger Preis verliehen. "Helmut Kohl, der Preisträger, wird auf die Bühne gerollt, ein Denkmal seiner selbst. Die Züge wie in Stein gemeißelt, verschwunden das Weiche, das einst von unbändiger Essfreude zeugte", schrieb die "Zeit" damals.

Mit frenetischem Jubel wurde Kohl bei einem seiner letzten großen Auftritte am 20. Oktober 2012 auf dem Landesparteitag der rheinland-pfälzischen CDU in Mainz empfangen. Das Sprechen fiel dem einst redegewandten Altkanzler schwer, die Sätze kamen langsam und unbetont. Er wisse, warum die Rheingoldhalle so gefüllt ist, verriet der Altkanzler am Ende seiner Rede. "Viele sind heute gekommen, um zu sehen, wie der Kohl ist", sagte er. "Der Kohl ist da und wird bleiben."